Der Ozean hat mich angefixt. Ich hänge an seiner Nadel. Begreife nach wie vor nicht diese unglaubliche Schönheit und Grausamkeit. Diese Extreme, die ich monatelang, völlig allein, in bis zu haushohen Wellen auf dem Atlantik, in meinem winzigen Ruderboot „Bifröst“, da draußen erleiden musste … erleiden durfte. Es lässt mich nicht mehr los! Was als eine schüchterne Kampagne gegen die dramatischen Auswirkungen des Unterlärmes begann, entwickelte sich zu einer glühenden Leidenschaft in der Zusammenarbeit mit OceanCare … und in eine Obsession und Lebensaufgabe, wo ich von einem Wal “geküsst“ wurde und er mir tief in die Augen schaute. Ich trei­be nun mit der Peitsche dieses Projekt weiter vor­an, welches die Gren­zen der mensch­li­chen Lei­dens­fä­hig­keit – die­sen dün­nen Wei­de­zaun da am Ho­ri­zont – immer weiter auf ei­ne har­te Pro­be stellen wird. Der gewaltige Atlantik liegt hinter mir, doch ich höre bereits den Chor der Stürme eines anderen Ozeans: des Pazifiks, wie er da schon den Kanon mit meinem Namen anstimmt. Kaum zurück an Land – ich muss verrückt sein, eine Überquerung diesen “Stillen Ozeans” überhaupt in Erwägung zu ziehen. Der Atlantik war ein Megaprojekt – was aber erst wird es bedeuten, den Pazifik zu überqueren?! Die Vorbereitung, die Finanzierung, Logistik …. OH GOTT! Soll das wirklich alles wieder von vorn beginnen?

In­ten­sivs­te, jah­re­lan­ge Vorbereitung, meine Er­fah­rungen und Erlebnisse, das leis­tungs­fä­higs­te Equipment das bereits da ist = ein Ex­trem(st)pro­jekt, ei­ne ex­tre­me Frau … nein, ich kann jetzt nicht einfach aufhören! Millionen von Menschen erreichten mein Zeilen und Worte vom Atlantik – hier im Blog, Online, in den großen Tageszeitungen, Magazinen, im Radio und Fernsehen – sprachlos realisierte ich, tausende Kilometer vom Festland entfernt, wie groß die Anteilteilnahme an diesem winzigen Projekt plötzlich war. Und ich war berührt von Euren Nachrichten, die ich auch auf See erhielt. Es wurden mehr und mehr! 6500 Kilometer, 90 Tage auf dem offenen Ozean – und in jeder Minute davon, fand ich mehr und mehr zu mir selbst. Ich, inzwischen zur flammenden, romantisch verklärten Idealistin zurückgereift, glaube wieder fest daran, dass jeder Ruderschlag einen Unterschied machen, etwas bewegen kann. Anstatt diesen Idealismus zu sezieren und zu zerlegen, werde ich einfach noch weiter, noch fester und noch länger mich gegen den Strom ins Bewusstsein des Alltages rudern. Ich tue das, weil ich das tun will, und weil mich Hoffnung nun einmal mit Glück erfüllt. Und irgendwo … irgendwo tue ich das, damit auch in Zukunft dauerpessimistische Klugscheisser mit dem Kommentieren meiner Aktion in der Quarantäne des Internets beschäftigt bleiben und nicht noch mehr Menschen draußen mit diesem Pestvirus anstecken.

Ich möchte anrudern gegen das Verdrängen, gegen Zerstörung und Lobbyismus. Ich möchte diese Welt ein ganz kleines Stückchen verändern, möchte Menschen dazu motivieren aufzustehen und nicht vor großen dunklen Wänden auf die Knie zu fallen – vor haushohen Wellen, die uns überspülen. Ich bin für immer verloren in der Welt der Wale und Delfine und der Fische. Meine Begleiter, die mich über den Ozean führten und mir in ihrer unfassbaren Nähe den Atem für den Rest meines Lebens raubten, haben einen Teil von mir mit sich genommen, der für immer bei Ihnen auf dem Atlantik bleiben wird. Ich kann nicht mehr anders, als mich mit all meiner Kraft dem Strom zu verwehren und mich für den Schutz dieser Meeresbewohner einzusetzen. Ich bin ihrem Zauber erlegen.

Natürlich weiß ich was mich als nächstes erwartet. Mir ist völlig klar, dass ich aufhören muss den Atlantik grosszureden, wo ich auf den endlosen Pazifik will. Ich habe bewiesen dass ich nicht auf den Kopf gefallen bin, genau weiß was ich hier tue. Nach jahrelanger Vorbereitung und Monaten allein auf dem offenen Ozean, glaube ich nun, dass ich endlich dieses Kükenkostüm ausziehen darf, dass man mir vor meiner ersten Querung so oft verpasst hat. Ich hing in Treibnetzen; vertrieb Haie und wog mich in der Realität von einem ihm Wasser verschlugen zu werden; ich konnte im Schein der Signalraketen und Handfakeln in die Augen der leichtsinnigen Seemänner schauen, die mit ihrem führerlosen Monsterkahn fast mein Boot plattwalzten; querte Verkehrstrennungsgebiete denen täglich hunderte Megatanker und Frachter um Gibraltar folgten; ich wurde von haushohen Wellen begraben und setzte Fallschirmsturmanker während die Blitze neben mir einschlugen – Und nicht eine einzige Sekunde habe ich diesen Höllenritt bereut oder war bereit aufzugeben.

Ich hoffe ihr bleibt mir auch weiterhin gewogen, begleitet mich im Blog oder in den Sozialen Netzwerken durch die Vorbereitung, und in Kürze, in Echtzeit per Satelliten-Tracker und Blog, über den nächsten Ozean … begleitet und unterstützt mich bei diesem “etwas” außergewöhnlichen Projekt, bei dieser außergewöhnlichen Mission zum Schutz unserer Meere und ihrer Bewohner. Also: Auf ein Neues!

Meine Sponsoren die mich während der Atlantiküberquerung 2010/11 unterstützt haben: