Meer der Ruhe

September 1, 2012

Die Sommertage dünnen sich merklich aus. Als wäre der Sommer von diffusem Haarausfall betroffen, streife ich in diesen Tagen auch besonders achtsam und vorsichtig durch die letzten verbliebenen goldenen Strähnen und Sonnenstrahlenbündel, die über mir durchs Astwerk brechen. Mit ihnen fallen auch schon die Blätter wie Schuppen aus den Haarschöpfen der Baumkronen – das schaut nicht gut aus! Die Sonne schleicht sich bald mit kahlem Kopf davon. Jetzt sitze ich hier, auf dem Gemäuer der alten Klosterruine, oben auf dem Berg, und verabschiede mich von ihr. Sie packt ihre Koffer, therapiert sich, und Bifröst ist auch nicht mehr da. Endgültig weg. Die Halle ist leer. Ach ja, das waren die Neuigkeiten die ich eigentlich teilen wollte: Das Boot ist weg!

Ich bin erleichtert. Vermisse es nicht. Bin geerdet, und denke, dass sie in guten Händen gelandet ist. Das Kapitel ist dann auch abgeschlossen, jetzt räume ich noch ein wenig auf, kehre zusammen. Verliere mich nicht mehr wirklich in Erinnerungen, schaffe vielmehr Platz für Neues, das auf diesem fruchtbaren Boden wachsen sollte. Auch im Herbst. Gute Nachrichten für Euch: Auch die Pläne für den Pazifik konkretisieren sich [langsam], wenngleich das wieder ein langer, langer Weg wird, bis ich die Segel hissen kann. Ich werde über den Stillen Ozean segeln, wieder allein, sicher. Aus anderem Antrieb, als Nebenprojekt, nicht gleich morgen. Es wird in jedem Fall ein ganzes Stück weit ein anderer Mensch sein, der dann das Boot steuert. Vielleicht wird sie nicht mehr soviel schreiben, vielleicht ist sie leiser geworden, hat die Stille endlich gefunden. Wir werden sehn.

Aber immer mit der Ruhe, nichts eilt, alles findet und fügt sich gerade zusammen. Wie von selbst. Ich sitze, atme, spüre den Luftzug der Veränderung der das Laub aufwirbelt. Das ist alles. Es ist, und es soll nicht anders sein. Ich bin, und ich soll nicht anders sein. Die letzten Monate waren aufregend stürmisch, euphorisch, überwältigend in jeder Facette. Das ist was fürs Buch, vielleicht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Jetzt bleibe ich noch ein wenig hier sitzen, meditiere bis mir wieder die ersten Fledermausschwärme um den Kopf schwirren, dann packe den Sommer zusammen, und hoffe dass mir der Mond den Weg nach Hause ausleuchtet.