Ich halte es gern mit John Fairfax, der da sagte: “Ich glaube das Leben ist wertlos, solange wir nicht damit machen können was wir wollen oder meinen tun zu müssen” … und ich brauche nichts und niemanden um mir zu erzählen, was Ich tun kann. Ich weiß es einfach. So könnte ich jetzt natürlich meine “verrückten” Träume sezieren und zerteilen – was viele von uns ja immer tun, wo der Mut fehlt – oder ich könnte hart daran arbeiten sie umzusetzen. Kritik wäre mir in jedem Falle sicher: Entweder die eigene, oder die von Anderen. Es kümmert mich aber nur sehr selten, was andere Menschen in meinem Interesse für träumens- und lebenswert halten. In einer Gesellschaft, die Tag um Tag ihre Werte und Träume verkauft, möchte ich einfach mein Lächeln und meinen Aktionismus entgegensetzen – anders sein. So, “i had an idea that turned into a dream, that be came a passion that is now a reality!” Also, montatelang völlig allein auf dem Ozean? JA, ganz unbedingt!

Ich wollte mich meinen größten Ängsten stellen, doch am Ende sie waren größer als erwartet – nicht auf See, nicht die Haie, nicht die Tanker, nein: vor allem zurück an Land. Ich war schockiert, geblendet von der Welt – die Sinne geschärft nach dem Reizentzug auf dem Meer. Und darum geht es nun weiter auf den Pazifik – “unfinished business” sozusagen – ich verwehre mich gegen den Alltag, konfrontiere mich mit den Dingen die mich durchs Leben treiben, und die ich vorher einfach nicht realisierte: Ängste und Begierden. In der Stille da draußen kann ich unbequemen Antworten nicht ausweichen, mir selbst nicht ausweichen: Ein Segen! Ich meinte immer, ich hätte die wahren Werte dieser Welt verstanden, und vielleicht habe ich das auch – aber wirklich begriffen, realisiert, habe ich von all dem bestimmt nichts. Die Stille auf dem Meer hat dieses Bewusstsein in mir geöffnet, ein Reise in mich selbst – die mitten auf dem Meer begann, und bis heute nicht abgeschlossen ist. Und ich bin überwältigt, und ich möchte reisen – mit allen meinen Sinnen.

Ich bin 35 Jahre alt, und komme aus Heidelberg. Und ja: Ich liebe das Leben und glaube nicht ganz auf den Kopf gefallen zu sein. Will sagen: Natürlich weiß ich um alle Risiken, und natürlich würde ich nicht ins Boot steigen, wo diese am Ende noch bestehen. Und ich wiederhole mich: Wenn jemand diese Risiken kennt, dann bin Ich das … und es wäre schlimm, wo’s nicht so wäre! Dieses Projekt war und ist anders als die anderen Projekte die gern anders wären – Ich bin anders. Jetzt, zurück vom Atlantik dreht sich meine Welt langsamer. Ich stehe im Strom, orientiere mich neu, finde mich selbst. Natürlich hatte ich viele Erwartungen, bin mit vielen Fragen auf das Meer hinaus gerudert. Zurückgekehrt bin ich nicht mit passenden Antworten, sondern mit gänzlich neuen Fragen. Wirklich wichtige Fragen. Es kam also -wie immer- alles ganz anders. Gut so!

Aber wie kommt man überhaupt auf so eine Idee? Nun, zum ersten Mal kam ich 1998/99 mit dem Sport in Kontakt, als ich Berichte über Tori McClure und ihren ersten Versuch einer Atlantiküberquerung (Nord-Route / Golfstrom) studierte. Ich war begeistert von diesem Unterfangen, fasziniert was diese Frau körperlich leistete und doch anfangs erfüllt von einer tiefen Skepsis. 1999 schaffte Sie es beim zweiten Versuch! Ich tauchte ein in diese Welt, vorsichtig, mit einem Bein – begann zu recherchieren, traf Ruderer und Boote und einige Zeit später auf die Britin Roz Savage, die gerade den Atlantik als Teilnehmerin in einem Rennen überquert hatte und den Pazifik in drei Etappen in Angriff nahm. Ich weiß nicht genau warum, aber Roz entzündete endgültig in mir diesen Funken, der sich zum Großbrand erweiterte und nicht mehr erlöschen sollte. Das Ziel fest im Fokus, bin ich hochmotiviert. Überzeugt von meinem Leistungsvermögen, stolz auf meine Entscheidung. Ich weiß genau welch weiter Weg noch vor mir liegt, welche Anforderungen dieses Unternehmen im Detail an mich stellt. Aber Schritt für Schritt nähere ich mich meinem nächsten Zielhafen. Und ich bin glücklich, dass ich mir der Unterstützung so vieler Menschen gewiss sein kann.