Über mich – Janice Jakait

Ich halte es gern mit John Fairfax, der da sagte: “Ich glaube das Leben ist wertlos, solange wir nicht damit machen können was wir wollen oder meinen tun zu müssen” … und ich brauche nichts und niemanden um mir zu erzählen, was Ich tun kann. Ich weiß es einfach. Die Welt ist, was ich aus ihr mache – es ist meine Welt, kein Fakt, Interpretation … das einmal begriffen erwächst grenzenlose Freiheit im Verstand, denn auch Freiheit ist nur das, was wir aus ihr machen. Ich wollte mich auf dem Atlantik meinen größten Ängsten stellen, doch am Ende waren sie größer als erwartet – nicht auf See, nicht die Haie, nicht die Tanker, nein: vor allem zurück an Land – die Konfrontation mit dem Leiden, dem Tod, mit der Gesellschaft und meinen Begierden. Es waren meine Ängste, die ich allein zur Welt brachte, und ich war größer und besser darin, als mir bewusst war. Schockiert, geblendet von der Welt – die Sinne geschärft nach dem Reizentzug auf dem Meer – die zweite Reise begann als ich in Barabdos anlegte. Ich lebe heute ein anderes Leben als vor zwei Jahren. Mein Päckchen habe ich geöffnet, und wir alle tragen eines, nicht wahr? Auspacken, loslassen! Dann spielt die Vergangenheit keine Rolle mehr und die Zukunft bringt eben das, was sie bringt. Hier und Jetzt … da lebe ich.

Ich bin 36 Jahre alt, und lebe inzwischen in Heidelberg. Und ja: Ich liebe das Leben und glaube nicht ganz auf den Kopf gefallen zu sein. Will sagen: Natürlich weiß ich um alle Risiken, und natürlich würde ich nicht ins Boot steigen, wo diese am Ende noch bestehen. Dieses Projekt war und ist anders, als die anderen Projekte, die gern anders wären – Ich bin anders. Jetzt, zurück vom Atlantik dreht sich meine Welt langsamer, meist steht sie ganz still. Ich stehe im Strom oder lasse mich treiben. Natürlich hatte ich viele Erwartungen, bin mit vielen Fragen auf das Meer hinaus gerudert. Zurückgekehrt bin ich nicht mit passenden Antworten, sondern mit gänzlich neuen Fragen. Diesmal den richtigen!

Aber wie kam ich überhaupt auf so eine Idee, über den Atlantik zu rudern? Zum ersten Mal kam ich 1998/99 mit dem Sport in Kontakt, als ich Berichte über Tori McClure und ihren ersten Versuch einer Atlantiküberquerung (Nord-Route / Golfstrom) studierte. Ich war begeistert von diesem Unterfangen, fasziniert was diese Frau körperlich leistete und doch anfangs erfüllt von einer tiefen Skepsis. 1999 schaffte Sie es beim zweiten Versuch! Das überwälltigte mich: “Warum versucht jemand, der gerade noch mit dem Leben davonkam, das noch einmal? Da muss doch etwas zu finden sein, das es wert ist unter solchen Strapazen gesucht zu werden!” Ich tauchte ein in diese Welt, vorsichtig, mit einem Bein – begann zu recherchieren, traf Ruderer und Boote und einige Zeit später auf die Britin Roz Savage, die gerade den Atlantik als Teilnehmerin in einem Rennen überquert hatte und den Pazifik in drei Etappen in Angriff nahm. Ich weiß nicht genau warum, aber Roz entzündete endgültig in mir diesen Funken, der sich zum Großbrand erweiterte und nicht mehr erlöschen sollte. 2010 hatte ich die Nase voll vom Alltag, irendetwas fehlte in meinem Leben, ein tiefer Sinn, vllig Freiheit, Demut … was auch immer. Ich machte mich auf, es herauszufinden. Eher aus Verzweiflung. Heute bin ich dankbar für diesen langen Irrweg … glücklich, frei und still. Und ich war die letzt die wirklich erhofft hat, mal soetwas sagen zu können … Das Leben, was für eine Ironie, eine Dramakomödie … und esse nur noch Pocorn und genieße sie.