Licht und Leuchttürme

March 5, 2013

Danke an alle von Euch, die mir im letzten Jahr Licht gespendet, die mir beim Augen öffnen geholfen haben – nachdem ich völlig überwältigt vom Ozean heimkehrte und in einem Meer an neuen Fragen ertrank.

Menschen wachen auf, und in Folge verrücktester Synchronizitäten finden sie sich, verbinden sich, erfüllen sich gegenseitig mit Hoffnung und Liebe. Werden Leuchttürme, die so hell leuchten, dass andere sie auch hinter geschlossenen Lidern nicht ignorieren können, und beginnen sich an diesem unglaublichen Licht zu wärmen und zu erhellen. Dieses Licht ist das Öl, das die festgerosteten Glieder wieder in Bewegung bringt, es ist das Blut, das Hoffnung und Liebe durch die trockneten Adern pumpt … und uns begreifen lässt, dass der Alltag hier nicht alles ist, dass da so so viel mehr in uns schlummert, das uns die Sprache raubt vor Schönheit … wo wir nur hinsehen.

Ich habe die Augen weit aufgerissen, ich sehe Euch am Ufer, Euch Leuchttürme. Ich zerfliesse wieder in diesem Projekt, ich schlage wieder Wurzeln im Salzwasser … und wachse … und wachse … und blühe. Ich hätte nie geahnt welche Energien frei werden, wenn man sich wirklich einem Traum verpflichtet und ihn lebt. Energien, die nicht immer einfach zu bändigen waren. Aber manchmal müssen wir den Stromschlag spüren, den wir zum Aufwachen brauchen – und das ist nicht immer der, den wir uns wünschen.

Gegen den Wind, gegen den Kopf

February 28, 2013

Gut, dann verkünde ich einfach mal die frisch zementierte Entscheidung – bin mir völlig im Klaren darüber, dass es danach kein Zurück mehr gibt. Die Konsequenzen sind mir bewusst. Also …

Nicht weil es einfach ist, aber weil ich es einfach tun zu müssen meine, habe ich entschieden, dass ich ohne Sponsorenlogos auf dem Boot weitermachen werde. Entschieden habe ich das aus dem Bauch heraus, nicht aus dem Kopf. Und im Moment kann ich mir im Kopf nicht einmal vorstellen, wie das praktisch überhaupt möglich sein soll – dennoch stimmt mein Kopf darin überein, dass es “wohl” richtig so ist, und damit möglich sein wird.

Gerade erst erklärte ich in einem Interview, dass mich die Ruderaktion auf dem Atlantik sehr verändert hat, mir die Augen öffnete, mich vom Wissen zum Begreifen führt(e). Vom Kopf zum Herzen zum Bauch. Wenn dem so ist, dann würde ich nicht einfach so weitermachen, wie ich 2010 hier begann. Entscheidendes würde sich auch in meiner Einstellung zum nächsten Projekt ändern, nicht nur im Privatleben. Wir werden sehen – aber diese Entscheidung heute ist ein erster Fingerzeig, in welche Richtung ich in Zukunft laufen, segeln und kiten möchte: In die Richtung, an deren Horizont mich eine Insel der Hoffnung erwartet, auf der ich glaube am meisten bewegen zu können … und vielleicht muss ich auch kreuzen um dorthin zu gelangen. Und eine Insel, wo es am wenigsten kümmert, dass ich soviel Idealismus in der Schatzkammer meines Bootes habe.

Ich bedanke mich natürlich bei meinen Sponsoren 2011/2012. Nie wäre ich damals ohne Euch angekommen. Und viele von Euch waren aufgeschlossen mich weiter zu begleiten. Das freut mich sehr, und zeigt, dass wir auf einer Welle rudern. Doch das neue Boot möchte ich unbedingt und ausschließlich einer ungleich wichtigeren Umweltkampagne, einer verrückten Vision und großen Träumerein widmen. Weil es richtig so ist, und weil diese Aktion nur authentisch sein kann, wo mein Bauch wieder volles Mitspracherecht bekommt. Ich weiß nicht, ob ich mit dieser entrückten Einstellung so viele Menschen erreiche, wie mit der letzten Aktion, aber ich hoffe, ich erreiche vielleicht die richtigen, und das etwas intensiver. Im schlimmsten Fall erreiche ich niemanden – und alle schütteln den Kopf – aber ich tue das, was ich mich einfach glücklich und zufrieden macht … und keinen weiteren Schaden anrichtet.

Auftritte in Düsseldorf

January 19, 2013

Zwischen Schüttelfrost und Bronchitis möchte ich noch schnell, wie versprochen, die Termine für meine Auftritte auf der BOOT in Düsseldorf durchgeben. Und zwar am nächsten Wochenende, am Samstag 26.01. 16.30 – 17.00 Uhr und am Sonntag 27.01. 11.30 – 12.00 Uhr, jeweils in Halle 14 [Link]. Ich freue mich auf euch! Und natürlich werde ich bis dahin wieder fit sein und etwas mehr erzählen als heute, versprochen! Schon wieder zwei Jahre her, unglaublich, wenn ich mir die alten Bilder von 2011 anschaue, da lag das alles noch vor mir:

Neue Videos und Bilder

December 12, 2012

Ein neuer Video Teaser ist online! Hoffe er gefällt. Bin mit den SD-Karten noch immer nicht durch, aber es wird langsam. Auch wollte ich euch auf ein neues Buch hinweisen, in dem mein Abenteuer Platz gefunden hat: Der Bestseller “Einmal im Leben” wurde in einem weiteren Band neu aufgelegt. Eine der zehn großen Geschichten im Buch, dokumentiert meine Aktion. Vielleicht ein schönes Weihnachtsgeschenk für Wasserratten und Abenteurer?! Ich finde die Bilder im Buch einfach großartig. Sicher ein schöner Lesevertreib, bis mein eigenes Buch fertig ist. Und wo ich gerade den Rundumschlag mache: In der aktuellen “Taucher Revue” ist auch ein richtig schöner Artikel über den Unterwasserlärm, OceanCare und Row for Silence von Ed Lüber drin.

Aktuell steigt die Anzahl der Interviews wieder, spannende Sachen erwarten euch im Januar und Februar. Auch halte ich ab 2013 wieder vermehrt Vorträge. Wie es ausschaut, stehe ich dann auch wieder in Düsseldorf auf der “Boot” auf der Bühne. Falls ihr also noch einen Grund benötigt, um doch hin zu fahren: Ich bin da, und bringe reichlich exklusive Bilder und Videos mit. Und vielleicht erwartet euch dort auch die eine oder andere Überraschung und Ankündigung. So bald ich nähere Infos habe, gebe ich die natürlich hier durch.

Ich fürchte, das wird der letzte Blogeintrag in diesem Jahr werden. Ich wünsche euch allen schöne Feiertage. Solltet ihr Entzugserscheinungen vom Blog bekommen, denkt bitte daran, dass ich reichlich auf Facebook und Twitter schreibe, und dort auch viele neue Bilder hochlade. Ich bedanke mich noch einmal bei allen, die mich in diesem (und im letzten) Jahr unterstützt haben, und es mir ermöglichten so eine verrückte Zeit erleben zu dürfen. Was für ein Jahr!

Also, wir lesen uns 2013 wieder. Spannendes wartet dann darauf hier geteilt zu werden. Bleibt neugierig!

December 4, 2012

Gerade erst brach der erste Jahrestag über mich herein. Vor einem Jahr, am 23.11.2011, stach ich in See. Und nun? Feiert man so was? Und wenn doch, wie lange? Für neunzig Tage, solange wie es brauchte um in Barbados anzukommen?

Ein Jahr also ist es her, dreihunderdfünfundsechszig Tage. Geht also auch vorbei, irgendwie. Wie alles im Leben. Aber hätte ich mir das damals vorstellen können? Was hatte ich denn erwartet, wie ich mich heute fühlen würde, neuntausend Stunden später?

Ich hatte keine Ahnung PUNKT

So viele Fragen stopfte ich mir in Portugal in die Taschen, und erhoffte mir, da draußen die Antworten finden zu dürfen. Ich meinte, ich hätte dann sicher einen noch verrückteren Plan fürs Leben, wüsste was ich als Nächstes beruflich wagen möchte, in Zukunft auf dem Ozean plane, wie ich das Ding mit dem Älterwerden in den Griff bekomme, gesünder lebe und vor allem: wie ich einfach Richtiges und Gutes tue. So Sachen eben.

Nur die Antworten die ich mir erhoffte, die fand ich nie. Nicht da draußen, nicht zurück an Land. Vielmehr erscheinen mir die Fragen heute richtiggehend naiv. Schon nach vier Wochen auf See stiegen andere Fragen in mir auf. Ich war auf alles vorbereitet, meinte ich. Aber nicht auf diese Fragen, auf diese Zukunft, auf den heutigen Tag. Die Fragen die mich heute antreiben sind gänzlich andere – das ist es, was im Kern die Veränderung beschreibt: Die Fragen haben sich verändert.

Die Einsamkeit da draußen hat etwas in mir angestoßen, zweifellos. Meine Perzeption der Welt wurde bunter, auf einem blauen Ozean, vorm blauen Horizont. Dort, wo sich sonst meist nur Blau und Blau zu Sonnenblond vermischt, das dann als nasser Farbklecks in den Himmel steigt, und zurück in die See tropft. Aus Blau und Blond wurde plötzlich sogar schimmerndes Meeresgold.

Doch zurück im Großstadt-Dschungel, begann ich unter dem Strahlen dieses Schatzes zu leiden. Zu bunt, zu laut, zu viel – und nichts davon von großer Bedeutung. Was ich intellektuell immer längst zu wissen meinte, tat plötzlich weh, wo ich es wirklich begriff: „Hier stimmt etwas nicht!“

Wir jagen falschen Werten hinterher, und fürchten auch noch sie zu verlieren, wo wir sie nur endlich in den Händen halten. Ängste und Begierden. Unsere Sinne degenerieren in diesem Spiel. Die Welt wurde wieder blau und gelb. Stunde um Stunde ein bisschen mehr. Dieser Prozess war greifbar, die Welt zerlegte sich vor meinen Augen in die absolut notwendigen Basisfarben.

Ich habe gelernt -und lerne noch immer- mich dem zu verweigern. Es ist ein schwieriger Prozess, aber auch aufregend, überraschend, gut. Es ist überwältigend um ehrlich zu sein. Ein größeres Abenteuer als eine Ozeanquerrung im Ruderboot, in jedem Fall. Aber das ist eine lange Geschichte.

Was in den letzen 12 Monaten also passiert ist?

Aus mir wird einer dieser verschrobenen Charaktere, die ich früher immer belächelt habe. Ich verliere mich wieder in wunderbaren Kleinigkeiten, stelle mich meinen größten vorstellbaren Ängsten und mache meinen Frieden mit mir und der Welt. Und plötzlich finde ich das Verschrobensein ganz großartig. „Rudern für die Stille“ – vor 12 Monaten hatte ich keinen Schimmer, was „Stille“ noch alles bedeuten könnte. Vor allem für mich. Ich komme an in der Stille, in einer schreienden Welt. Ich finde und verändere mich, und mit mir verändert sich die Wahrnehmung, die Interpretation der Welt. Dinge die ich jahrelang erzwingen wollte, und oft darin scheiterte, passieren einfach von allein und nebenbei, oder lösen sich in Bedeutungslosigkeit auf. Alles fügt sich zusammen zu einem einzigen Punkt in Zeit und Raum: Dem ICH im JETZT, im Moment. Klingt vielleicht ernüchternd, aber jeder einzelne Ruderschlag der mich hierher brachte, wurde mit Meeresgold vergütet. Ein Vermögen für die Sinne!

Meer der Ruhe

September 1, 2012

Die Sommertage dünnen sich merklich aus. Als wäre der Sommer von diffusem Haarausfall betroffen, streife ich in diesen Tagen auch besonders achtsam und vorsichtig durch die letzten verbliebenen goldenen Strähnen und Sonnenstrahlenbündel, die über mir durchs Astwerk brechen. Mit ihnen fallen auch schon die Blätter wie Schuppen aus den Haarschöpfen der Baumkronen – das schaut nicht gut aus! Die Sonne schleicht sich bald mit kahlem Kopf davon. Jetzt sitze ich hier, auf dem Gemäuer der alten Klosterruine, oben auf dem Berg, und verabschiede mich von ihr. Sie packt ihre Koffer, therapiert sich, und Bifröst ist auch nicht mehr da. Endgültig weg. Die Halle ist leer. Ach ja, das waren die Neuigkeiten die ich eigentlich teilen wollte: Das Boot ist weg!

Ich bin erleichtert. Vermisse es nicht. Bin geerdet, und denke, dass sie in guten Händen gelandet ist. Das Kapitel ist dann auch abgeschlossen, jetzt räume ich noch ein wenig auf, kehre zusammen. Verliere mich nicht mehr wirklich in Erinnerungen, schaffe vielmehr Platz für Neues, das auf diesem fruchtbaren Boden wachsen sollte. Auch im Herbst. Gute Nachrichten für Euch: Auch die Pläne für den Pazifik konkretisieren sich [langsam], wenngleich das wieder ein langer, langer Weg wird, bis ich die Segel hissen kann. Ich werde über den Stillen Ozean segeln, wieder allein, sicher. Aus anderem Antrieb, als Nebenprojekt, nicht gleich morgen. Es wird in jedem Fall ein ganzes Stück weit ein anderer Mensch sein, der dann das Boot steuert. Vielleicht wird sie nicht mehr soviel schreiben, vielleicht ist sie leiser geworden, hat die Stille endlich gefunden. Wir werden sehn.

Aber immer mit der Ruhe, nichts eilt, alles findet und fügt sich gerade zusammen. Wie von selbst. Ich sitze, atme, spüre den Luftzug der Veränderung der das Laub aufwirbelt. Das ist alles. Es ist, und es soll nicht anders sein. Ich bin, und ich soll nicht anders sein. Die letzten Monate waren aufregend stürmisch, euphorisch, überwältigend in jeder Facette. Das ist was fürs Buch, vielleicht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Jetzt bleibe ich noch ein wenig hier sitzen, meditiere bis mir wieder die ersten Fledermausschwärme um den Kopf schwirren, dann packe den Sommer zusammen, und hoffe dass mir der Mond den Weg nach Hause ausleuchtet.

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