Rock in Peace David …

January 11, 2016

Kaum einer hat mir in meiner Jugend so viel Mut gemacht, wie David Bowie. Erstmal gar nicht nur mit seiner Musik, sondern vor allem durch seine schiere Präsens – sein Auftreten, in dem ich die gleiche fragile Schüchternheit zu erkennen meinte, wie in mir – und dann auf der anderen Seite, dieser Wunsch, sich einfach auszudrücken, einfach auch mal so zu sein, wie man gern wäre – seine Selbsicherheit hat mir imponiert, weil ich spürte, dass da ganz viel Mut dahinter steckt. Mut, der mir fehlte und mich oft verzweifeln lies. Und dieser, sein Mut hing als Poster und kleinen Zeitungsfotos von ihm an meiner Wand am Bett und strahlte bestimmst auch ein bisschen auf mich ab. Weil, irgendwann war ich dann auch selbst mutiger!
Die Tiefe seiner Musik habe ich erst viel später entdeckt. Jetzt, wo er gegangen ist, habe ich aber für mich so das Gefühl, da geht ein Mensch, den ich wirklich irgendwie “kenne” und verstehe – einer, der auch mich bestimmt mal verstanden hätte – einer, mit dem ich so gern mal in Berlin um die Blöcke gezogen wäre, ganz unspektakulär, um ihm irgendwann in einem Anfall von Mut um den Hals zu fallen und um Danke zu sagen und dass ich ihn sehr lieb habe.
Denn ich habe ihn wirklich sehr gern gehabt. Und ich habe MICH wieder gern, und daran hat er einen ganz großen Anteil! Und deswegen fühlt es sich so an, als ob ein Teil von ihm jetzt gegangen ist, während ein Teil von ihm in mir mutig weitertanzt.
Ich finde das wirklich ganz schlimm grad … und hatte das Bedürfnis das zu schreiben und zu teilen, weil ich es anders nicht ausdrücken kann.
Leider weiß man erst wenn jemand weg ist, wie sehr man ihn vermisst.

JA!

January 8, 2016

Jetzt, wo ich gefühlt so ziemlich alles in meinem Leben durchdacht und versucht habe, gelange ich immer mehr zu der profunden Erkenntnis, dass es hier nur um Eines … nämlich um die Einsicht, dass ich immer eine Wahl habe, und dass mein Frieden oder Unfrieden nur in einer einzigen, schrecklich trivialen Tatsache begründet war: Ich habe nie gelernt wirklich JA oder NEIN zu sagen. Ich habe nie gelernt, mich vollumfänglich FÜR oder GEGEN jemanden oder etwas zu entscheiden. Ich habe nie die Verantwortung begriffen, die es bedeutet, wirklich einen freien Willen zu besitzen. Ich habe es tausendmal geschrieben, aber selbst nie ganz geglaubt, doch Zufriedenheit ist eine Frage meiner Einstellung, nicht der Umstände. Ich allein entscheide, was ich denke, und diese Gedanken erschaffen meine Wirklichkeit. Ich kann entscheiden, ob mir etwas ganz reicht oder ob ich mich stattdessen auf tausend Dinge nur oberflächlich einlassen will. Ich allein entscheide, ob ich mich hingeben oder zerstreuen will. Und was nützen diese vielen, großen Ziele, wenn doch am Ende schon meine Lebenszeit auf den vielen Wegen dahin vergeudet wird.
Ich habe nie gelernt, einen Weg bewusst zu gehen und mich bewusst zu entscheiden, wo ich verweilen und ruhen möchte … und wo ich besser weitergehen sollte, ohne mich zu Lange aufzuhalten.

… habe keine Lust mehr, Teil einer Masse machtgeiler Feiglinge zu sein. Gefühlssüchtige Klugscheißer und Kontrollfreaks, denen es nur darum geht, sich irgendwie zu spüren, um jeden Preis und ohne Rücksicht und ohne Verantwortung zu übernehmen, ohne sich wirklich hinzugeben. Nur Hingabe und Demut – nur Vertrauen und Liebe -brauchen Mut und zeugen von Stärke – alles andere sind nur schwache Ausreden und vermeintliche Kompensationen. Was nützt es, alles zu besitzen oder zu wissen … man nichts mehr davon er-lebt und spürt.

Nur dieses eine Leben … nur dieses eine Leben!
Was nützt alles Wissen, wenn man nichtmal mehr das begreift.

Das größte Geschenk das ich einem Menschen geben kann, ist mein Vertrauen und meine Ehrlichkeit. Und das ist auch alles, was ich wirklich von anderen annehmen kann. Es bedeutet eben auch Schmerzen zu teilen und Enttäuschungen, es bedeutet, der Mensch zu sein, der man wirklich ist, und nicht der, der man sein soll oder gern sein will. Meine Liebe ist Himmel und Hölle … und dazwischen brennt dieses Feuer in unserem Herzen, und dieses Feuer ist das Feuer der Lebendigkeit.

Zwischen den Stühlen

December 4, 2015

…. nur so Gedanken.

Ich sitze zwischen den Stühlen!
Menschen, die den Kontakt
zu den Menschen verloren haben,
rebellieren gegen Menschen,
die den Kontakt zu den Menschen verloren haben.
Der eine schürt die Angst vor dem anderen,
der ihnen Angst macht.
Und so dreht er sich im Kreis,
der Geist der Veränderung,
zwischen einer Zukunft,
die alle fürchten
und der Gegenwart -
die ihnen nicht genügt.
Und genau darin,
wiederholt sich die Vergangenheit.
Wieder und wieder.
Und am Ende siegt nur,
was schon immer siegte –
was von Beginn an doch,
beide Seiten einte:
DIE ANGST

Aus meinem Buch “Freut euch nicht zu spät”

Da textet sich was zusammen!

November 30, 2015

Heute mal wieder in eigener Sache: Leseprobe und Katalog zum neuen Buch “Freut euch nicht zu spät” sind online – Viel Spaß beim Lesen! Das Buch erscheint als Hardcover und Ebook im März im Europa Verlag, pünktlich zur Leipziger Buchmesse. Wer zum Erscheinungstermin nochmal per Email informiert werden möchte, oder vielleicht ein Rezensionsexemplar benötigt, bitte Nachricht an mich.

Dann gibt es Neuigkeiten zum Taschenbuch von “Tosende Stille”. Es kommt! Erscheinungstermin bei Goldmann / Random House ist im April 2016.

Und da alle gute Dinge Drei sind: In Kürze erscheint der “24. Tagungsband Goldegger Dialoge” unter ISBN: 978-3-901-115235-1 mit meinem Vortrag.

Einen neuen Podcast gibt es auch noch – einiges am Start also. Aber jetzt schreibe ich mal das Buch fertig.

Die Welt im Wahn …

November 14, 2015

Freiheit bedingt auch Ehrlichkeit, Vertrauen, Rücksicht und Verantwortung. Wir lügen uns doch nur unsere Ängste, unsere Rücksichtslosigkeit und Verantwortungslosigkeit zur Freiheit – wir sind schonungslos mit der Natur, mit anderen Menschen und vor Allem mit uns selbst. Wir haben nicht mal die eigenen Gedanken im Griff, aber wollen [stattdesen?] die ganze Welt kontrollieren, befrieden und befreien. Und wo wir versagen, regiert höchstens noch Mitleid und Verzweiflung statt Mitgefühl und Zuversicht. Unser Vertrauen gewinnen wir nur durch garantierte Sicherheiten und totale Kontrolle – durch starre Verhaltensmuster, mit denen wir uns sicher und unbeirrt – jeden Tag aufs Neue – vom Weckerklingeln zum nächsten Weckerklingeln durch das Leben navigieren. Macht statt Demut, über alles und jeden. Verurteilung statt Vergebung, Erwartungen statt Erfüllung. “Und morgen wird alles anders!”

Einfach mal die grellen Computerbildschirme ausknipsen, das Debattieren einstellen und eine Nacht allein durch den stockfinsteren Wald wandern, dann begreift man, dass der Kopf das eigentliche Gefängnis ist – und wir haben darin lebenslänglich! – egal wohin wir mit ihm reisen dürfen. Wir lieben uns selbst nicht und wir können uns oft nicht mal mehr in Partnerschaften fallenlassen und geborgen fühlen … wir leben das Leben der anderen, die auch nicht ihr eigenes Leben leben … und mit ihnen debattieren wir über Freiheit und Werte, die es nun zu verteidigen gilt

… “wir werden gnadenlos sein”, mit denen, die gnadenlos sind, sagte François Hollande eben. Die, die hassen, werden wir hassen, weil sie hassen …

Ja, gut gebrüllt Löwe! Und erst wenn Terroristen in exportierten französischen Leclerc Panzern an Frankreichs Grenzen stehen, wirst auch du begreifen, dass jedwedes Anheizen von Gewaltspiralen nicht im Paix Universelle – im Weltfrieden – enden wird, sondern im Weltenbrand.

Die Ursache all dieses Hasses ist, dass wir unsere Wertesysteme der unbegrenzten Möglichkeiten, die eben doch keiner mehr nutzen kann – unsere vermeintlichen Freiheiten, unsere Scheindemokratien und konsumabhängige Wirtschaft auch noch und um jeden Preis im hintersten Winkel der Welt installieren wollen. Warum? Genau, weil alles, was keine Alternative mehr kennt, alternativlos richtig sein muss. Damit eure Allmachtsfantasien und euer Geld auch dort herumhuren können. Und dann kann man sich im Spiegel der ganzen Welt selbst bestaunen und auf die Schulter klopfen.

Doch leider wehren sich die Verweigerer heute nicht mehr nur mit Pfeil und Bogen, sondern mit Sprengstoff und am Ende mit modersten Panzern und Raketen. Und mit Feuerwasser und Entertainment lassen sie sich auch nicht ablenken und überzeugen – sie wollen es einfach nicht fressen! Und je mehr ihr sie mit vorgehaltener Waffe zum Fressen zwingen wollt, desto aggresiver werden sie. Und der Fortschritt überholt sich selbst- und die Märkte, die ja ewig wachsen müssen, wachsen euch nun über den Kopf, wo sie sich territorial nicht mehr ausdehnen können.

Die halbe Welt “betet” nun für Paris, gegen den Gotteswahn der Terroristen. Und sperrt sich aus Angst dann doch gegen noch mehr Flüchtlinge, die genau vor diesem Terror weglaufen. Alle Religionen sprechen von Vergebung … aber es braucht eben Mumm und Vertrauen, dem, der uns ohrfeigt, auch noch die andere Backe hinzuhalten. Mut habt ihr alle nicht, nur Angst – und Vertrauen erkauft ihr euch als vermeintliche Sicherheiten durch noch mehr Macht und Kontrolle. Ihr seid Feiglinge, die Angst davor haben, dass ihr Kartenhaus zusammenfällt… nichts anderes. Und am Ende habt ihr Angst vor allem und vor jedem … sogar vor dem eigenen Volk.

Hauptsache Feinde wenigstens, überall … die euch was wegnehmen wollen, Besitz, Überzeugungen, Sicherheiten … dann muss der Standpunkt ja goldrichtig sein. Und nun versucht ihr mit noch mehr Kontrolle die Welt wieder unter Kontrolle zu bringen, die erst durch euren Kontrollwahn (Macht!) außer Kontrolle geriet. Ich habe nur eine Diagnose für dieses Verhalten: WAHN!

Und es gibt im klinischen Alltag auch einen induzierten Wahn (ICD F24) … und damit steckt ihr euch alle gegenseitig an, und mit dem wollt ihr auch uns noch anstecken!

Ein System das kein echtes Miteinander mehr kennt, ist auf Feindbilder angewiesen, die noch weniger Miteinander kennen. Und um sich weiter zu legitimieren, ist so ein System darauf angewiesen, in sich selbst beziehungsunfähige Alleinkämpfer heranzuzüchten, die zueinander in Konkurenz und Misstrauen stehen, denen nichts und niemand mehr reicht, die aber wenigstens am Abend erschöpft und still und satt sind. Das System übernimmt dann die Rolle der Familie und des Vermittlers, es “kümmert” sich jetzt, um Alte, um Kranke, um rebellierende Kinder, um chronisch Gelangweilte, um Überforderte … um Vereinsamte. Statt mit Geborgenheit beruhigt und befriedet es seine “Kinder” mit vermeintlichen Zuwendungen, mit Sicherheiten und Garantien.

Mit indoktrinierten Lebenswegen aus Schulbüchern und mit Rollenbildern und Idealen aus den Medien, sorgt es dafür, dass jeder immer gut beschäftigt und abgelenkt ist, sich permanent selbstoptimiert und in allem nach Höherem und Besserem strebt und dort auf die große Erfüllung hofft. Immer ein Ziel vor Augen …. immer noch hoffen und träumen! Doch Ankommen und Zufriedenheit wären der Stillstand, und so steigen mit immer neuen Möglichkeiten und Bedürfnissen, die generiert werden, auch die Abhängigkeiten von der Last des Erreichten und die Enttäuschungen darüber, wo so Vieles doch nicht zu verwirklichen ist. “Hamsterräder, die von innen wie Karriereleitern aussehen”. Und an dieser Flasche aufgezogen, schreit das Kind dann auch, wo man droht im die Flasche zu wegzunehmen – es weiß nicht, dass es etwas anderes Fressen könnte.

Der Überlebensinstinkt ist die größte Kraft im Menschen – überleben zu dürfen allein, kann sich wie Freiheit anfühlen, wo die Angst vorm totalen Scheitern nur gut genug betäubt oder ignoriert werden kann. Doch wie frei man wirklich ist, offenbart sich, wenn alle Sicherheiten und Regeln wegbrechen … und die Menschen wirklich mal unkontrolliert aufeinander statt miteinander losgelassen werden

Sorry, kuscheln ist morgen wieder. #janices5cents

Die Zeittotschläger

September 27, 2015

Es gibt zwei Arten von Freiheiten. Eine, die man sich einredet, die man Tag für Tag wiederholt lebt und sich vorleben lässt, auf dass sie glaubwürdiger erscheint, und eine andere, die sich als Illusion entzaubert, wenn das alles nicht mehr funktioniert – wenn Regeln und Gesetze nicht mehr gelten, wenn Sicherheiten wegbrechen, Abhängigkeiten nicht mehr gestillt werden und Muster nicht mehr wie gewohnt bedient werden können. Wie frei der Mensch wirklich war, offenbart sich, wenn er frei gelassen und aufeinander losgelassen wird – wenn Sicherheiten die mangelnde Geborgenheit nicht mehr kaschieren können, wenn die Zufriedenheit und Freiheit sich als bloße Gier nach Zufriedenheit und Freiheit offenbaren – wenn das Seinwollen plötzlich am Sein zu ersticken droht.

Die Meisten von uns haben so viel Angst davor, dass sich das beschränkte Paradigma in dem wir nur ein kleines, bedeutungsloses Menschenleben leben als völliger Blödsinn erweist und wir vermeintlich machtlos vor dem Scherbenhaufen unserer bisherigen, jämmerlichen Existenz enden könnten, dass, wenn es eng wird, wir lieber nach allem greifen das nur größtmögliche Veränderung verspricht und bitte nur alles wieder unter Kontrolle bringt. Hauptsache weiter wie bisher – denn wir kennen nur das Glück das wir schon kennen.

13,8 Milliarden Jahre fügte sich alles auf wunderbare Weise, auf dass wir jetzt jeden Morgen den Wecker totschlagen, uns die Zähne putzen und mit dem strahlendweißen Dauergrinsen eines Zeittotschlägers der Welt zeigen, was für eine Überlichtgestalt wir doch sind?

Was für ein Theater – was für eine Verschwendung an Wunder.

Rhetorische Fragen …

September 13, 2015

Zu oft in der jüngeren Menschheitsgeschichte erreichten Gesellschaften einen Punkt, an dem sie zu ahnen begannen, dass das aktuelle Paradigma in dem sie lebten, echtem Glück und echter Freiheit im Weg stehen könnte. Und mit den einzigen Lösungsansätzen, die ihnen darin bekannt waren, und mit denen sie sich ja erst darin verrannt hatten, versuchten sie nun erfolglos dem Paradigma zu entfliehen – gerieten aber nur noch tiefer hinein und wussten bald keinen Ausweg mehr. Also machten sie die gleichen Fehler einfach weiter und griffen nun nach allem, dass nur irgendwie eine grundlegende Veränderung versprach, um sie aus ihrem leisen Verdacht völliger Machtlosigkeit und Lethargie zu befreien.

Das Ergebnis sehen wir heute …

In alten Kulturen gab es immer Menschen, die aus dem gesellschaftlichen Kontext ausbrechen konnten, die sich fernab der kulturellen Konditionierung selbst suchten und erst darin gänzlich neue Paradigmen erschaffen konnten. Und die überhaupt erst damit in der Lage waren, ihr altes gesellschaftliches Paradigma von außen zu betrachten, zu hinterfragen und ggf. nun auch wirklich mit neuen Ansätzen darin Veränderungen anzustoßen. Dafür wurden sie damals geachtet und respektiert, und heute nur mehr belächelt. Wir heute allerdings sind womöglich doch nur noch eine Gruppe von selbstherrlichen Hohlköpfen, die es jedem nur so schwer wie irgend möglich gemacht haben, wirklich anders zu sein und auszubrechen? Wir sind vielleicht doch nur ein Haufen voller gleichgemachter Egoisten, die sich zwar dafür entscheiden können Gutmenschen, Systemkritiker oder Verschwörungstheoretiker zu werden – oder Esoteriker oder Heilsbringer – die sich im Kern aber dennoch alle im gleichen Paradigma, immer schneller und aufgeregter um den gleichen Unsinn drehen? Vielleicht ist es so großer Unsinn, und wir sind so abhängig davon geworden, dass wir deswegen so große Angst davor haben, dass tatsächlich jemand ausbrechen und uns am Ende auch noch davon überzeugen könnte, dass es tatsächlich nur völliger Unsinn ist?

Wir wissen es morgen …

“In der Regel verändern sich Pardigmen nicht, sie sterben mit ihren Verfechtern aus.”

September 11, 2015

Der Verstand bildet eine konstruierte Wirklichkeit, eine verzerrte Reflexion, ein sich schnell aufschaukelndes Echo der Realität ab – unsere Vorstellung! – in der alles zum Ding, zum kausalen Konzept, zur Ursächlichkeit und zum Ziel oder Unziel, Sinn oder Unsinn gerät. Auch er selbst ist in der Selbstreflexion davon betroffen, was einen Prozess der Selbsterkenntnis zum Teufelskreis macht, denn wir denken nie über Kants philosophisches “Ding an sich” nach, sondern nur über das, was wir in Gedanken bereits daraus gemacht haben.

Auch unser wahres Selbst gerät im Verstand durch frühkindliche Konditionierung und Identifikation mit Spiegelungen in der Verhaftung zu einem Selbstbild, zu einer Kopie. Diese „Symbole“, diese Abbilder und Reflexionen im Kopf werden so komplex und verwirrend, dass sie bald unser ganzes Bewusstsein, unsere Aufmerksamkeit komplett auf sich ziehen können, und wir uns in Gedanken verlieren und nur noch MIT IHNEN IDENTIFIZIEREN. Wir geraten in einen Film reiner Fantasie, und darin selbst, zur Illusion (Ego). Wir meinen dann immer noch, mit der Realität in Kontakt zu sein, leben aber eigentlich auf einer transparenten, ihr übergestülpten Folie, auf der alles beschriftet und bemalt wird.

Wenn wir das reine Erleben und die ungefilterte Wahrnehmung – den Kontakt zur “Realität” und unseren Gefühlen nicht wiederfinden, bleiben wir darin irgendwann komplett hängen, im schlimmsten Fall. Und das, ohne es wirklich verstehen zu können.

Der Kopf ist ein Problemlöser, der uns von A nach B bringen soll – jeder Gedanke hat also eine Ursache und ein Ziel (Sinn) – lebt nur in der Vergangenheit oder Zukunft. Im Idealfall ließe sich das im Hier und Jetzt in einem kreativen, schöpferischen Akt kanalisieren (Kunst).

Aber unser Selbstbild (auch nur ein Kunsterwerk) im Kopf, mit dem wir uns identifizieren, kann ebenso schnell zum Problem werden, das irgendwie gelöst werden muss, und es kann im Kopf nie der Vollkommenheit gereichen. Wir selbst geraten zu Gedanken, die nach Perfektion streben – im Wahn der Selbstoptimierung meinen wir, erst jemand werden zu müssen, während wir längst jemand sind. Sein vs. Seinwollen. Der Kopf weiß viele Ziele (Glück, Freiheit, Liebe … ) aber das einzige Ziel des Kopfes kann nur Denken und Problemlösen sein. Sind wir darin verloren, damit identifiziert, sind wir selbst nurmehr ein Problemlöser der Herz und Gefühle nurmehr in Gedanken kennt, dann ist jeder Ausweg aus einem Problem nur der Umweg in ein neues. Wir haben die Kontrolle verloren. Je mehr wir denken, desto klüger werden unsere Probleme.

Je mehr wir uns mit dem Selbstbild identifizieren, je mehr wir über uns nachdenken und sich unser Fokus verkleinert, desto größer muss ich als Problem erscheinen (makelhaft), desto mehr Anstrengung wiederum verwendet der Verstand darauf, dieses Problem auch zu lösen.

Er denkt noch mehr und mehr -> das Problem kann also nur noch größer sein – noch mehr Anstrengung, bis zur Erschöpfung im schlimmsten Fall. Am Ende geht der Verstand aus Verzweiflung womöglich sogar lieber mit einem völlig verzerrten Selbstbild unter, wählt die Vorstellung einer Lösung namens Freitod, statt die Freiheit, die er ja gar nicht kennen und leben kann -> Realität.

Woran erkennt man, dass man den Kontakt zu sich selbst und der Realität verloren hat? Man fühlt immer weniger etwas, das nicht nur ein Produkt von Gedanken ist, die sich nur mit sich selbst beschäftigen (Gefühle vs. Emotionen). Statt Liebe (Festhalten) oder Trauer (Loslassen), nur noch Gedanken, die immer erfolgloser einst doch mal erlebtes, jetzt nur noch erinnertes, vorgestelltes Gefühl in der Zukunft wieder erleben wollen (Gier), oder Gedanken, die sich vor sich selbst fürchten, weil sie oft darin scheiterten (Angst), oder die sich dann selbst bald nicht mehr leiden können (Wut, Frustration, Hass), am Ende: Verzweiflung ..

Abstumpfung, trotz einer Überflutung an Reizen, Entscheidungsdilamma – Kurzum, wenn’s in der Vorstellung besser läuft, als im Leben. Wenn Sonnenuntergänge irgendwann noch weniger mit uns machen, als Sonnenuntergänge auf Instragam, wenn wir Menschen in unseren Erwartungen mehr lieben können, als in einer Partnerschaft – wo uns vielleicht hier und da sogar noch zwei von zwanzigtausend eigenen Schnappschüssen gelingen, auf denen wir uns selbst noch gefallen und genügen, aber wir uns dann einfach nicht mehr entscheiden können, welches davon nun unser neues, strahlendes Facebook Profilbild werden soll … da könnte man es spätestens bemerken.

Der Ausweg ist offensichtlich. Die Freiheit, über die wir nachdenken allerdings, ist nur ein neues Gefängnis in Gedanken. Das erdachte Selbstbild kann sich nicht von Gedanken befreien, kann nicht Buddha und Swami werden. Am Ende ist die Freiheit die totale Enttäuschung für dieses Selbstbild, in der es sich nur auflösen kann. Wir können das wissen, leider müssen wir es aber auch begreifen – und begreifen ist erleben. Solche Gedanken tun weh, leider – aber es bleiben nur Gedanken, Gott sei Dank! Das sollte man eben nur niemals vergessen bis die Ziellosgkeit “erreicht” ist!

So Gedanken eben, besagte Selbstreflexion einer “Janice Jakait”


Und da heute der 11. September ist, sei mir noch ein Gedanke zu diesem Tag gestattet:

         2.989 † Opfer des Terrors vom 11. Sep. 2001
1.700.000 † Opfer des Krieges gegen den Terror 2001 bis 2014

Ich finde nicht nur heute, an diesem Tag, BEIDES einfach nur schrecklich traurig. Aber heute sollten wir vielleicht auch die Schuldfrage wenigstens für einen Tag vergessen, und den Opfern auf allen Seiten gedenken, und wir sollten einfach nur trauern und mitfühlen. Heute sollte es egal sein, Warum? und Wieso? … einfach nur das DAS! sollte uns gewahr sein und uns auch bestürzen. Heute sollten auch Täter nur Opfer sein dürfen, von Hass, Verblendung und Verurteilung auf dieser Welt … auch, und gerade weil es uns sonst so schwer fällt (durchaus auch im Hass etwaige Selbstverantwortung zu erkennen.)

Ich finde, dieser Tag sollte ein Tag der Vergebung sein. Auch weil ich daran glaube, dass nur in der Vergebung eine Chance erwachsen kann, die Zukunft anders zu gestalten.

Nachtrag: Aus diesem Blogeintrag generierte sich eine neue Folge (26) für meinen Podcast “Tosende Stille

Und alles wäre anders …

September 8, 2015

Am Ende wird alles nichts helfen, also sollten wir vielleicht besser gleich nur das tun, was uns einfach nur Spaß macht? Womöglich hilft das ja!

Wir sorgen uns um die Welt von morgen, aber sie könnte sich schon in 5 Minuten ohne dich und mich weiterdrehen. Und vielleicht, vielleicht ist am Ende die Tatsache, dass wir uns so viel ums Morgen sorgen, anstatt jetzt zu leben, auch der einzige Grund, warum das Morgen überhaupt erst so zur Besorgnis geraten konnte.

zitiert aus einem Brief heute:

Es heißt: “Vor nichts haben wir mehr Angst, als vor unserer wahren Größe”

Wer weiß schon, wie groß das alles hier wirklich ist, und WAS es wirklich ist, außer Gedankeninhalt und Theorie dazu. Und ich und mein Kopf, wir sind ja mindestens mal ein Teil davon. Und so gibt es Momente, da kommt mir alles einfach nur unfassbar magisch, so wie Zauberei vor – und dann verstehe ich plötzlich, wovor ich im Kopf immer solch eine Angst habe! :

Ich würde wieder den Verstand verlieren, wenn ich mich wirklich wieder davon verzaubern und berauschen ließe! Ja natürlich, da ich fast nur noch Verstand und beschränkte Gedanken bin, sollte ich mich auch besser darum sorgen! Ich könnte meine so sorgsam zusammenkonstruierte Identität verlieren, mein mangelhaftes Selbstbild könnte Risse bekommen – und am Ende wäre ich höchstens nur noch das, was ohne Gedanken dazu übrig bliebe: irgendwie sprachlos nur noch, einfach nur ich, so wie ich bin – und ich wäre unbeschreiblich, undenkbar, zauberhaft, ein Wunder bestenfalls. Und so wäre meine Welt.

Würde wieder wie ein “dummes” Kind unter dem Sternhimmel staunen und träumen, obgleich ich nun sicher besser wüsste, dass die Sterne unerreichbar sind. Ich würde in Pfützen tanzen, auch wenn die Flecken bei 60°C ganz sicher nicht mehr rausgehen, so aus Erfahrung.

Hilfe!, dann lieber doch weiter wie bisher, die alte Janice eben, nein?

… denn vielleicht wäre ich wunschlos glücklich dann, ja! – aber Glück wird nur echt, wenn man es teilt. Was hätte ich also davon, würde kein Anderer mitmachen?!”

Sei du selbst

September 8, 2015

Wer selbst so sein will, wie er ist – müsste erst andere so lassen, wie sie sind …

Ausführliche Version: Wir haben immer eine Wahl, solange wir leben! Wirklich erwachsen zu werden und auch das eigene Leben zu leben, bedeutet, das nicht nur zu wissen, sondern es wirklich zu begreifen und danach zu handeln. Und es bedeutet zu begreifen, dass wir uns oft zum vermeintlich hilflosen Opfer haben machen lassen, von anderen Opfern, die das auch nicht begriffen haben – die aus gefühlter Machtlosigkeit heraus handeln und, da, wo sie diese Frustration noch in Machtgefühlen ausleben können, zu Tätern werden.

Ich wage zu behaupten, dass das die meisten sind, irgendwie, irgendwo: Sie verurteilen andere Menschen, erwarten dass sie sich verändern, bald schlagen und knechten sie sie, und irgendwann führen sie sogar Kriege und Raubzüge gegen “die anderen”. Am Ende unterwerfen sie sich immer neuen Verordnungen und Gesetzen, um diesem – eigenen! – Treiben wenigstens bei den anderen Einhalt gebieten zu können. Und so wird es nur noch schlimmer, dieses Gefühl, ausgeliefert zu sein, und keine Wahl zu haben.

Es geht nicht um Schuld, es geht am Ende auch darin um Vergebung.

Ein Mensch wird ohne Moral geboren, er braucht noch keine, denn ihm wurde Empathie und Mitgefühl in die Wiege gelegt – warum sollte er anderen antun, was er selbst nicht fühlen will? *** Warum sollte er sich selbst wünschen, dass andere sich verändern? *** Und dieser Satz ist Sprengstoff für jedes Ego, wenn man ihn durchdringt. Doch irgendwann tut er, was andere ihm angetan haben – weil sie genau diese Empathie und dieses Mitgefühl verloren haben, weil man ihnen etwas angetan hat das …

Wir hängen in einem unfassbar komplex-”brillianten” Teufels-Kreis fest und jeder kluge Plan, auszubrechen, sperrt uns noch weiter darin ein. Der einzige Ausweg ist Vergebung und Annehmen der Machtlosigkeit – Demut und Vertrauen, – erst dann öffnen sich zwei neue Wege: Loslassen oder doch weiter festhalten. Ich kann wählen, und ich wähle! Aber das will leider keinen Sinn machen für den Kopf … und so hofft und erwartet er weiter und wurschtelt sich durch ein fremdbestimmtes Leben.

Wir wünschten uns, dass die anderen uns vergeben könnten und uns so annehmen, wie wir sind – mit diesem Anspruch aber, sollten wir auch ihnen und uns vergeben, dass wir uns oft nicht vergeben können. Einer muss anfangen, mal SICH SELBST ZU VERGEBEN, denn nur darum geht es am Ende wirklich – es ging nie wirklich um SCHULD.

Und jetzt gerade so? Wir sind tolerant, aber haben etwas gegen intolerante Menschen . Uns stört niemand, nur die, die sich an anderen und an uns stören. …. was für ein Theater. Jedes geheuchelte Besserbürgertum ist auf die angewiesen, die es vermeintlich noch schlechter machen und die Schuld haben sollen. Hauptsache keiner wackelt am Kartenhaus des anderen.

Nachtrag: Einen für mich inspirierenden Dialog, der sich daraus auf Facebook entwickelte, findet man hier.

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