July 29, 2015

Auch wenn die folgenden Gedanken erst einmal trivial erscheinen, sie wirklich zu Ende zu denken und erst darin auch zu begreifen, hat mein Fühlen, mein Er-Leben in nur einer gedankenschwangeren Nacht grundlegend verändert. Ich möchte diese Gedanken daher gern mit Euch teilen, auch wenn mir klar ist, dass sie in den klugen Gedanken anderer womöglich als naiv abgestempelt werden und nicht jeden erreichen wollen. „Stay foolish!“, sagte Steve Jobs vor seinem Tod, vielleicht kommt Weisheit eben doch nur zu den Narren, wer weiß.

Wir denken niemals über das nach, was gerade ist. Denken ist das, was stattdessen passiert, während alles einfach weiter passiert – Denken ist eine Meinung über das was gerade passiert ist und das was nun damit passieren soll, und das weiß eigentlich auch jeder. Denken erwächst aus einer Ursächlichkeit, einem vermeintlichen Grund und führt in ein Ziel (von A nach B). Aber wir denken nur über Gedanken nach – über ein Weltbild oder Selbstbild, wir denken das – was ist! – zur Theorie, zur Meinung. Was im Kopf SEIN SOLL, kann schwerlich SEIN und uns berühren. Einfach mal jetzt über etwas nachdenken und dabei achtsam sein, genau beobachten….. &/%$§-+#”!!!?.!(…)° …

Das Denken zieht uns aus dem Hier und Jetzt. Merkt und begreift man nur wenn man achtsam ist. Denken findet entweder in der Vergangenheit statt (du denkst über den Text nach den du gerade gelesen hattest und nurmehr erinnerst, während er aber währenddessen einfach nur weiter vor dir liegt) oder Denken ist die Erwartung einer Zukunft. Das Denken hat nichts mit dem zu tun, was ist. Das, worüber wir nachdenken, ist also niemals die Realität. Je mehr wir denken, desto mehr verlieren wir den Bezug zu dem, was ist. Im schlimmsten Fall entgleiten wir vollständig in diese Parallelwelt der Gedanken, während die Welt gar nichts mehr mit uns macht – wir nichts und niemanden mehr spüren. “Hölle!”

Einer der Gründe warum wir dem Moment, dem Sein entfliehen, ist, weil wir in Gedanken vorher die Sorge in Form einer Vorstellung hatten, was dieses Sein sein könnte. Es gibt im Kopf unzählige Gründe um nicht “SO!” zu sein. Dort gibt es Gefahren, den Tod und die Vergänglichkeit, Machtlosigkeit und Leid, und damit gibt es die Begierde, anders zu sein. Mit dem Denken glauben wir dem entfliehen zu können – solange ich etwas (sein) will, habe ich das Gefühl von Kontrolle. Jedoch fliehen wir gar nicht vor dem unfassbaren Einfach-Nur-Sein, sondern nur von einem Gedanken in den nächsten, vermeintlich besseren. Jeder Gedanke verspricht uns etwas, stellt etwas in Aussicht. Das einzige Ziel des Kopfes ist aber nicht das Glück und schon gar nicht das tatsächliche “mal Ankommen!” das er verspricht und sich erdenkt, sondern, eben: das einzige Ziel des Kopfes ist das unentwegte Denken! Nur dazu ist er da. Der Kopf ist ein Problemlöser und kein Glückssucher. Der Ausweg aus einem Problem ist immer nur der Umweg in ein neues, jetzt noch klügeres. Er-Lösung davon ist keine Lösung eines weiteren Problems. Mit dem Denken aufhören zu wollen, ist auch nur ein neuer Gedanke und eine weitere Begierde. Wir begehren das Nichtbegehren – der Versuch anzukommen ist auch nur ein neue Reise im Nirgendwo. Eine kluge Strategie?

Nicht falsch verstehen! – das Denken ist ein wunderbares Werkzeug, mit dem in Leidenschaft schrecklich kreative Dinge vollbracht werden können, wenn wir danach auch in die Handlung finden, dann, wenn sich das Denken wieder als Nurdenken begreift – und nicht als Richter und Henker über ein vermeintliches Schicksal und Welt- und Selbstbild das der Realität entsprechen könnte. In dem Moment, wo das Denken wieder nur zum Denken, zur reinen Abstraktion wird, schlägt das Herz wieder in dem was ist, und es wird berührt – sogar wieder von unseren Gedanken. Und es schlägt vor Unfassbarkeit. Wie früher, als wir noch Kinder waren!

Der Treiber hinter allem Denken ist das Sein-Wollen und die Angst vor einem Sein, das nur im Kopf sein soll, aber nicht in der Gegenwart IST. Und nach drei Jahren, in denen ich mich bis zum Erbrechen mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, bin ich mir sicher, dass hinter allen unseren Begierden etwas (sein) zu wollen, nur die Angst vor der Machtlosigkeit verbirgt, dass alles vergänglich ist. Aber eben auch das ist nicht mehr von Bedeutung, wenn ich nurmehr im Augenblick lebe und mir kein unerfülltes Selbstbild mit langer Geschichte und noch großen Zielen zur Erfüllung zusammen”denke”.

„Wir leiden, weil wir begehren“ (Buddha)
„Das Leben ist Leiden [Dukha]“ (auch Buddha)

Ergo: Leben ist Begehren!

„Aber es gibt auch ein Ende allen Leidens“ (Buddha)

Und so muss es auch ein Ende des Begehrens geben, und das alles andere als Leiden sein. Nirwana und so. *lacht*

Am Ende, so heißt es, kommt die Weisheit nur zu den Narren. “Die, die wissen, die reden nicht. Die, die reden, die wissen nicht. “Das Tao über das man reden (und denken) kann, ist nicht das Tao.” (Taoismus) “Wer weiß was Brahman ist, der weiß es nicht. Wer es nicht weiß, weiß es.” (Hinduismus). “Du sollst (kannst) Dir kein Bild von Gott machen.” (Christentum)

„Stay hungry, stay young, stay foolish, stay curious, and above all, stay humble because just when you think you got all the answers, is the moment when some bitter twist of fate in the universe will remind you that you very much don’t.“ (Tom Hiddleston)

Dazu passend: Podcast Folge 24 – Vom Anehmen und Loslassen vom 22. Juni

[Zum vorherigen Beirag: "Auch ich werde sterben" vom 27. Juli]

July 27, 2015

Zum zehnten Mal also, werde ich in wenigen Stunden 29 Jahre alt. Ich sitze im Korbsessel auf der Veranda, rauche eine Zigarette und habe die Arbeit am Buch für heute eingestellt, obgleich ich gerade erst die dritte Tasse Kaffee im Blut habe. Ich verspüre jetzt eher den Impuls, die letzen 12 Monate in einem Text ohne Kapitel und Index abzuhandeln. Vielleicht veröffentliche ich ihn auch. Entscheide ich erst nach dem letzten Satzzeichen.

Zwischen all den Reisen – Vorträge und Interviews -, zwischen den fruchtbaren und inspirierenden Begegnungen und Dialogen, ein roter Faden zieht sich durch das letzte Lebensjahr, an dem ich doch in jeder stillen Minute wieder anknüpfte: dieser innere Dialog, diese Reise hinein in mich selbst. Stundenlang – egal ob zu Fuß in den Wäldern, auf dem Gaspedal auf der Autobahn, im Bett – in jeder freien Minute: dieser Dialog mit mir selbst, dieses Ringen mit Gedanken, die einfach nicht begreifen wollten, dass sie nicht begreifen können. Klammern an alten Vorstellungen und Gewohnheiten – immer die gleichen alten Denk- und Handlungsmuster – wieder und wieder, bis sie einem mit 37 Jahren dann doch endlich mal zum Hals raushängen. Immer nur im Kreis. Bis du kotzt und keinen Bock mehr auf dieses Hamsterrad hast, bis du die Möhre vor der Nase nicht mal mehr riechen willst. Sie stinkt!

Man kann sich nicht selbst lieben, wenn man sich selbst nicht auch im anderen gefunden hat. Das ist wie, als wenn man sich selbst in die Augen schauen oder sich selbst küssen will. Klar, kann man machen, aber hat trotzdem nichts mit “LIEBE” zu tun. Die Menschen, die wir als selbstverliebt abstempeln und verurteilen, bräuchten die Vergebung mindestens genauso dringend wie wir selbst. Sie sind unser Spiegel, in denen wir vermeintlich aburteilen können, was wir selbst in uns nicht ertragen wollen.

“Liebe ist die Abwesenheit von Urteil”

Jetzt sitze ich hier, beinahe 38 Jahre alt und schreibe im Sonnenuntergang über den Untergang meiner alten Welt, meiner vermeintlichen Identität einer ewigen Selbstoptimiererin und meinem Selbstverständnis, dass das Glück und die Zufriedenheit doch direkt vor mir liegen müssten. „Wenn ich doch nur noch … dann aber!“



Nun ist es still geworden in meinem Kopf. Es hat sich erschöpft, es ist ausgedacht. „Reductio ad absurdum“. Gefunden wurde nichts, nur ein leeres Ich, Inhalt von Gedanken, die mir 37 Jahre lang eingepflanzt wurden. „Ich“, eine leere, dehnbare Form, in der Konzepte angeblich zur Beständigkeit und Permanenz ausgehärtet werden könnten – eine Form, die treudoof auf Erfüllung und Unvergänglichkeit hoffte. Es ist still geworden, am Ende: nichts als Machtlosigkeit. Und plötzlich: Was für ein Er-Leben!

„Ich“ werde sterben. So profund.

Wusste ich immer, jetzt habe ich es endlich auch begriffen. Auch wenn der Weg ins Begreifen die Hölle war. Warum will man sich das Begreifen also antun, warum nicht weiter so tun als ob es nie … ? Warum nicht lieber weiter den Begieren nachrennen und Augen zu vor dem, was Angst macht?

Weil das zweite Leben angeblich beginnt, wenn man begreift, dass man nur eines hat. Und ja, das stimmt! Noch jede Meinung oder Theorie, jedes Selbst- und Weltbild, alle Verhaftung, all die Ziele … all das ist verloren, irgendwann. Und sonst so? Nach wie vor sitze ich noch im gleichen Zug der Kausalität wie früher, dieser schaukelnde Interregio ohne Klimaanlage, der einen vom Kreissaal bis zum Friedhof bringt – aber ich habe aufgehört, wie ein Idiot am Steuerrad zu drehen. Als ob das jemals etwas gebracht hätte … auf Schienen. Is klar! Alles was ich dachte, was ich sein könnte, erstickt zusammen mit dem Feuer der Neuronen in meinem Gehirn. Was bleibt, ist unberührt von Ursächlichkeit und Schicksal, liegt außerhalb von Macht und Kontrolle … ist frei von Vergangenheit und Zukunft, geht nie zu früh und kommt nie zu spät. Was bleibt ist Er-leben, Wahrnehmung und einfach so sein, wie ich bin und immer war. Und dann ist auch wieder die Welt, so wie sie einfach nur ist und immer war – und sie ist bunt und gewaltig, ist lebendig, bewegend und unfassbar schön … vollkommen, auch ohne unser Zutun und unsere Optimierungspläne im Perfektionswahn. Und darin sind wir dann eins, ich, die Welt, im So-Vollkommen-Sein. Ich weiß dann zwar nicht mehr, ob ICH glücklich und zufrieden bin, ohne den Kopf … aber das spielt auch keine Rolle mehr, wenn ich loslasse und mich einfach nur ganz im Rot einer Rose verliere, im Blau des Himmels auflöse oder mich im Schwarz der Buchstaben begreife, die ich gerade tippe. Man muss nicht alles nur wissen und verstehen, auch mich nicht.

„Ich“ werde sterben. Ende aller Selbsterkentnis und Machtfantasie. Wenn schon “Erleuchtung”, dann auch bitte die absolute Entäuschung des Egos. Alles andere liegt hinter den Gedanken und ich bin das, was sie denkt … bin kein Gedankeninhalt. Keine Ausrede mehr also, um nicht auch endlich richtig zu leben. Mit 38 Jahren, ein Privileg diese frühe Erkentnis. Ich wünsche Euch zu meinem Geburtstag gleich alles Gute, von Herzen, und auch Euch ein zweites Leben! Für das erste können wir nichts, das zweite aber, das liegt in unserer eigenen Verantwortung.

[Hier gehts zum vorangegangenen Blogeintrag]

Drei Jahre später …

July 17, 2015

Seit mehr als drei Jahren bin ich nun auf der bewussten Suche nach mir selbst. Hoffte, das wiederzufinden, was ich bin, um nicht mehr weiter an diesem verzerrten Selbsbild klammern zu müssen, das ich und andere aus mir gemacht haben – und das sich immer weiter, hin zur vermeintlichen Perfektion selbstoptimieren will, um endlich irgendwann mal Jemand! und GUT GENUG zu sein. „ (Selbst)Liebe ist die Abwesenheit von Urteil“, heißt es … diese Abwesenheit von Urteilen und Meinungen habe ich gesucht, die Stille im Kopf. Ich bin dazu über einen Ozean gerudert, habe die Einsamkeit und meine größten Ängste konfrontiert. Vor allem diese eine Angst, vor der Vergänglichkeit und dem Kontrollverlust, vor der absoluten Machtlosigkeit, zu deren Musik doch alle anderen Ängste und Sorgen nur wie Marionetten im Kasperletheater tanzen. Ich habe mich in hunderten Büchern und Weisheiten verrannt, habe meinen Geist und meinen Körper ausgebrannt, mit wochenlanger Meditation, mit kompromisslosem Reizentzug oder totaler Reizüberflutung. Und natürlich auch mit Entheogenen und bewusstseiserweiternden Substanzen aller Herrenländer und Kontinente, die schnelleren Zugang zum Selbst versprechen. Das Ziel: diese unfassbaren Zustände von Freiheit, Stille, Friede, Geborgenheit und Liebe -=> nur wieder dort ankommen und endlich bleiben! Immer wieder waren sie greifbar, aber nie von Dauer. So viele Wege führen dahin, doch leider führen auch so viele Wege wieder hinfort. Unvorstellbar, konzeptlos, jenseits aller Vorstellungskraft, ist, was man erlebt, wo man loslässt und einfach nur ist, wo der Kopf endlich schweigt und keine Meinung oder Theorie mehr dazu hat. Ich durfte kosten, aber bekam nie das Rezept in die Hände. Ganz gleich welchen hohen Preis ich auch bereit war, dafür zu bezahlen – ich war wohl nicht bereit dazu, dieses Glück als Geschenk zu empfangen und anzunehmen. Denn es ist womöglich einfach nur da, bedingungslos, Jetzt, Hier. Und es kostet eben nichts und keine Anstrengung, um hierher zu gelangen – und damit ist jeder zielstrebige und leistungsorientierte Kopf gleich doppelt überfordert und kämpft noch viel mehr, um auf “planbaren” Umwegen, in dieses ominöse Hier und Jetzt zu finden. So einfach darf es doch nicht sein …

Gar nichts halte ich jetzt in meinen Händen, außer Machtlosigkeit. Alles was ich gefunden habe und geworden bin: Konzepte und Schubladen, die nur in meinem Kopf und in den Köpfen der anderen herumquietschen – Gedankenschleifen, ein verzerrtes Selbstbild, eine fehlerbehaftet Kopie meiner selbst. Und dieses Selbstbild, mit dem ich mich identifiziere, das man mir schon als Kind in den Kopf gepflanzt hat .. Mensch, Erwartung, Ding … es ist nichts als eine Illusion, die viel zu groß ent-wachsen und entartet ist. Ich bin nichts davon – nichts von dem, das ich aus mir – das andere aus mir! – gemacht haben. Und so lange ich dies auch schon weiß und verstanden habe, wie so viele von Euch, erst jetzt, wo ich beginne, es zu begreifen und durch die Hölle gehe, wird mir klar, welche Konsequenz dieses Begreifen hat: Ich verliere alles was ich geworden bin! Und das Einzige, was mich am Leben hält, ist nurmehr Vertrauen, Demut und die Hoffnung, darauf, dass ich am Ende womöglich doch endlich einfach so sein kann, wie ich bin und schon immer war: vollkommen, bedingungslos, ohne Weil! und Warum?, ganz frei von jedem eigenen und fremden Urteil, und frei von der Vergänglichkeit eines Selbstbildes, an dem ich mich festklammern will … aber mit dem ich am Ende ja doch untergehen muss. Nichts ist von Dauer, nichts existiert außer dem Augenblick. Und ICH BIN, nur jetzt, in jedem Moment neu und besonders. Und jeder andere ist es auch, darin sind wir alle eins!

Ich kämpfe an der Grenze zum Ertragbaren und Wahnsinn gegen das Loslassen – es ist so schwer, das aufzugeben, mit dem ich mich ein Leben lang identifiziert habe, und doch, ich kann es nicht mehr festhalten, weil es nicht wahrhaftig, weil es nichts als eine Vorstellung, eine Illusion ist. Es ist schwer mit dem Kämpfen aufzuhören, aber es erschöpft sich von selbst, wenn man nur lang genug gekämpft hat. Welch ein Segen vielleicht, für die, die die Chance dieser letzten großen Krise begreifen, die sich in das Sein hineinfallen lassen und nicht in der Verhaftung mit ihrem falschen Selbstbild untergehen.

„Jeder von uns schlägt Schlachten, von denen andere nichts wissen“ … das ist meine: Ich kämpfe gegen meinen Schatten. Das zweite Leben beginnt, wenn man begreift, dass man nur eines hat. Und so sterbe ich gerade mein erstes Leben, das nicht meines war, um das zweite, eigene Leben zu leben. Mehr nicht – aber auch nicht weniger. Am Ende suchen wir alle das Gleiche, in uns, in den anderen, in Allem. Ganz gleich, welche Namen wir dem Namen- und Konzeptlosen auch geben wollen, das wir da zu finden hoffen …. Gott, Liebe, Selbst, Sein … Das andere ist nur unser Spiegel, ankommen können wir nur bei uns Selbst.

Alles was wir suchen, verstecken wir hinter einer Wand aus Angst, die wir uns selbst hochziehen, damit wir weiter unbeirrt suchen und kämpfen und uns irgendwann ausbrennen können. Die Lösung eines Problems ist somit immer nur ein Umweg in ein neues – je klüger wir werden, desto komplexer werden unsere Probleme, desto höher ziehen wir diese Wand aus Angst. Erlösung von diesem Schattenkampf ist etwas anderes als die Lösung von Problemen.

Ich schreibe das hier, weil es mir im Moment oft schwer fällt, mich in Gesprächen zu erklären. Weil ich oft gar nicht mehr reden mag, denke, dass es ohnehin niemand versteht. Weil ich oft nicht mehr weiß, was ich erzählen soll und mich ja doch nur endlos im Kreis drehe und wiederhole … und es mir leid tut, dass ich stattdessen nicht “da” sein kann, für Menschen, die mir eigentlich sehr am Herzen liegen.

“Das letzte Stück des (Um)Weges muss man allein gehen”, heißt es – vielleicht stimmt das ja und es sind nur noch ein paar Meter Umweg ins Hier und Jetzt. Wäre jedenfalls schön! “Das Ziel”: die Ziellosigkeit, das Treiben im Strom des Lebens, scheint zum Greifen nahe. Die Aussicht auf das “Einfach so sein!”, die ich bereits jetzt genieße, ist schonmal ganz wunderbar! Und vor allem: Wirklich nette Leute unterwegs hier in der Gegend, die ab und zu mal meinen Weg kreuzen und ganz lieb grüßen!

Auch nur nachträgliche Gedanken beim Zähneputzen…

Was wir begehren, ist nie das, was jetzt ist .. was wir uns davon erfüllen, ist bestenfalls nur das, was in der Vorstellung bereits war. Im Begehren erfüllen wir im Jetzt nurmehr vermeintliche Zukunft mit vermeintlicher Vergangenheit. Das was ist, was kommt, was uns überraschen will, können wir dann gar nicht mehr staunend und dankbar annehmen.

Erwartungen sind Gedanken, denen Gedanken der Erfüllung folgen. Was im Kopf geboren, bleibt im Kopf. Wir können etwas begehren oder ablehnen, am Ende hat es nichts mit dem Objekt zu tun, sondern nur mit uns selbst, unserer Imagination, unseren Gedanken. In der Begierde, in dem, was sein und wie es sich anfühlen soll, geht jedweder Bezug zu dem verloren, was (währenddessen) IST und wie es sich wirklich anfühlt. Wir landen im schlimmsten Fall ganz in dieser leblosen Parallelwelt der Vorstellung, die am Ende nichts mehr mit uns macht, wenn wir uns selbst nur noch über das definieren, was wir in Gedanken sein und besitzen wollten … und was wir ohnehin auch viel zu oft nicht erreicht haben.

Wir können nie wirklich bei dem ANKOMMEN und uns dem HINGEBEN (loslassen!) was wir begehren, es ist und bleibt nämlich eine Illusion im Kopf (auch wenn es tatsächlich am Ende mal so vor uns steht, wie wir uns das sehnlichst erwartet hatten.)

*Wir leiden, weil wir begehren* (Buddha)

*Am Ende f***** wir nur noch unsere Erwartungen und simulieren die Gefühle – so wie es sich anfühlen sollte! – im Kopf … haben aber wenigstens noch das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben :-)* (unbekannt oder eben schamlos erfunden)

Meine Welt …

June 11, 2015

Bin heute auf den Spuren meiner Kindheit gewandelt. War in Neunzehnhain an der Talsperre, wo ich früher so gern bei meinen Großeltern die Ferien verbracht habe. Opas alter Angelschuppen steht sogar noch und duftet nach feuchtem Holz, genauso wie damals – verlorene Erinnerungen, die noch immer im Schuppen herumkreisen, die jetzt durch die Nase wieder ins Bewusstsein empor steigen und in ihrer Gegenwart meiner Vergangeheit neues Leben einhauchen. Das Wasser der Talsperre liegt noch so klar an der Staumauer, wie einst beim Angeln meiner ersten Regenbogenforelle. Nur das Holzboot ist nicht mehr da. Das satte Grün der Baumkronen schwängert an allen Rändern der Sperre den Wasserspiegel mit grüner Klarheit und Ruhe … daneben schlagen die Heidelbeerbüsche wild aus. Ich strecke die Zunge heraus, um zu schauen, ob sie nicht doch auch nach 30 Jahren noch immer blau verfärbt ist. In Gedanken rufe ich auch jetzt Oma hinterher, dass ich wirklich alle Beeren in den Eimer tue, mir keine in den Mund stecke und einfach nur nicht so schnell sammeln kann wie sie … weil, logisch!, ich ja auch viel kleinere Hände habe. Außerdem habe ich ohnehin noch immer mit Oma die Wette laufen, dass hinter der mächtigen Kiefer am steilen Hang bestimmt ein riesiger Steinpilz steht. Auch heute, unfassbare 30 Jahre später und Anfang Juni – wo eigentlich noch keine Steinpilze wachsen – wartet der sicher immer noch darauf, dass wir einfach hochklettern und ihn endlich mal mitnehmen.

Eigentlich ist alles wie immer und doch, ist es ganz anders ohne die Beiden, die nicht mehr dort leben. Alles ist vergänglich, aber solange wir sind, dürfen wir auch entscheiden, an welchen Erinnerungen wir da eigentlich festhalten wollen. Wenn wir das vergessen, vergessen wir uns selbst und verlieren uns im diffusen Nebel einer Welt, die nie die unsere war.

Das Leben ist …

March 9, 2015

Zur Feier der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste (Unverhofft kommt oft!), heute mal wieder ein Blogeintrag. Gut, den habe ich eben eigentlich für Facebook geschrieben, aber zur Standortbestimmung, so finde ich, taugt er auch hier ganz wunderbar. Prost ihr Lieben, das Leben ist … schön! Und das aus meinem Mund … oha!

Jeder vermeintliche Sinn meines Lebens, der unvermeidliche Tod, das Leid der ganzen Welt, jedes konkrete Weil und Warum, jedweder abstrakte Gott – der Himmel, die Hölle – all das ließ sich irgendwie abhaken und als totes Konzept im Kopf einsortieren, auf dass es nichts mehr mit mir machen konnte … aber diese Gefühle jetzt – dieses Begreifen – ERLEBEN! – hauen mich wieder um. Einfach nur um. Da liege ich Neunmalklug und es ist nicht zu begreifen. Es macht einfach keinen Sinn. Womöglich bin ich nun doch endlich! “verrückt” geworden! Eine Verrückte auf nem Berg in Heidelberg … was ne Reise! Einmal um die ganze Welt, um nur wieder bei mir selbst und im Hier & Jetzt anzukommen. Hinaus, in die fernste Ferne, in die endlose Weite der formlosen Zukunft, um hier und jetzt die Tiefe des vollkommenen, bedingungslosen Seins zu entdecken. “Liebe”. Darin entsteht aller Sinn, nur in uns selbst. Die Welt ist das, was wir aus ihr machen. Und in diesem Sinne, sind wir ihr Schöpfer. Wenn schon ein Gott, dann auch Du und ich. Vielleicht sollten wir endlich die angemessene Verantwortung für unser Tun und Denken übernehmen …

Fühle mich gerade mal wieder, als wäre jedes Neuron im Gehirn und jede Sinneszelle im Körper mit dem gesamten Kosmos verdrahtet. Vielleicht wars doch der Kaffee? Ich hole mir lieber gleich noch einen … verdient nach der doch wieder total erschöpfenden Sinnsuche der letzten drei Tage.

Wie ich es auch drehe und wende in meinen Gedanken – ganz gleich welchen irdischen oder transzendenten Weg ich beschreite – ich komme immer wieder hier an. Als ob es darum ginge, endlich mit all diesen Verirrungen und Umwegen aufzuhören, stehen zu bleiben und es endlich anzunehmen.” Es ist wie es ist!” – wir finden, wenn wir endlich aufhören, das zu suchen, was wir daraus machen wollen.

Aber … aber muss man womöglich doch erst diesen anstrengenden Weg gehen, um zu begreifen, wie wenig es braucht um anzukommen? Muss man vielleicht doch erst über einen Ozean rudern, um zu erkennen, dass man nicht darüber rudern musste? So war es … und dann wird es wohl so sein.

Wollte die totale Erleuchtung und Erkenntnis, aber fand die Liebe. So ein Scheiß! Warum bekomme ich immer wieder das, was ich brauche und nie das, was ich will. Und warum ist das, was dann ist, doch am Ende soviel mehr, als das, was ich wollte?

Und warum ist das Warum? nur so schrecklich langweilig geworden …

Ja, in einem Zug auf Schienen vorn zu sitzen und wie bekloppt zu lenken, ist halt schon ganz großes Kino für Kontrollfreaks. Tuuuuuuutttt, Platz da! – hier kommt die Lokführerin. Es geht weiter, pünktlich wie immer. Abfahrt nach Fahrplan!

Die Verfertigung der Stille

October 16, 2014

Wenn der Verstand meint gegen Konzepte ankämpfen zu müssen, die nur in Gedanken atmen, hinterlässt das erst recht den Eindruck, dass sie real existieren müssten. Egal ob wir da gegen das “Ego” oder einen “Staat” wettern …

Die Freiheit, von der der Kopf träumt, ist nur ein weiterer Gedanke der uns einsperrt. Wir sind längst frei und buchten uns nur im Kopfgefängnis ein, “weil wir denken” überhaupt erst ausbrechen zu müssen.

Der Kopf hat kein Interesse an Stille und Freiheit, in der er nicht gebraucht wird. Der Kopf hat nur ein Ziel: Neue Gedanken … Ewig währende Gedankenschleifen. Und nie denken wir mehr, als wenn wir leiden und uns Konflikten stellen. Und führt die vermeintliche Freiheit, die der Verstand in Aussicht stellt, nicht doch immer wieder in einen Konflikt? Müssen wir nicht immer erst etwas tun, um irgendwo anders – in der Zukunft! – im Hier und Jetzt anzukommen? Ist das nicht absurd?

Es gibt nur einen Weg in die Stille für den Kontrollfreak Kopf: Vertrauen, Demut, Loslassen! Hier und Jetzt. Denn es ist jetzt jetzt und hier ist hier. Wir müssen garnichts tun. Wir müssen nicht auf den Urlaub oder die Rente warten, um frei zu sein, wir müssen in kein Kloster und nicht mal meditieren.

Je mehr wir versuchen mit dem Kopf die Welt wieder unter Kontrolle zu bekommen, die erst im Streben nach mehr Kontrolle (Macht!) außer Kontrolle geriet, umso mehr Konflike werden wir erzeugen. Ein Fest fürs Hirn was da gerade passiert … und das Herz darbt.

… in diesem Sinne: Ihr merkt schon, die Frankfurter Buchmesse (Interview) ist vorbei und ich habe wieder Zeit den Sinn des Lebens zu finden.

Es ist so viel passiert … Österreichreise, Vortrag vor 450 Besuchern in meiner Heimatstatt, Buchmesse … aber das habe ich ja schon in den letzten Podcasts ver-quatscht: Link … und Facebook ist immer auf dem aktuellen Stand.

Jetzt freue ich mich auf die nächsten Lesungen in Heidelberg und danach in Altdorf, Villingen und Werl. Schreiben ist im Moment nicht so meins … ich erzähle lieber und podcaste. Aber ich lebe noch – also: Alles gut!

Hinab …

September 3, 2014

Gedanken aus der Badewanne. Manchmal verstellt das Nahliegende eben doch den Blick in Tiefe des Raumes. Bin zurück in meinen Versen und Gedichten. Die Lust am Schreiben ist wieder da …

» Hinab «

Ein Mensch, der sich zu fest ans Leben bindet
Ins grelle Licht nur wächst, gedeiht und strebt
Der nicht hinabsteigt, seine Wurzel findet
Die in Dunkelheit am Lichtleib webt -
Der wird nie verstehn, wie es da kam
Dass das Lebenslicht den Anfang nahm –
Dass das Sternenlicht der Welt
Nun hinab in offne Augen fällt.
Nur in den Wurzelspitzen ist zu spüren,
dass sie Erde, aber keinen Grund berühren.

Janice Jakait / 3.9.14

Alles braucht seine Zeit. Auch das Begreifen, dass es irgendwann zu spät ist …

Genug gerudert!

August 28, 2014

Wieder erst in den Morgenstunden ins Bett gefallen. Nicht erschöpft – fast täglich nur zwei Stunden Schlaf pro Nacht, da ist keine Schwere, keine Müdigkeit. Da ist Bewegung, Begegnung, Bewusstsein, da ist Leben und Fluss.

Gefühle im Bauch, im Herzen, die mich ins Feinstoffliche überführen. Als wäre ich nichts als Energie, die da pulsiert – ein Feld das bebt – Elektrizität die schwingt. Unbeschreiblich. Und dann kommt der Verstand, will diese Energie aus dem Augenblick umleiten – in irgendetwas, ins Irgendwo, ins Dann, ins Dort, ins Ich, das so beschränkt sein soll, wie ich „will“, obgleich ich längst viel mehr bin.

Und ich lächle, wie ich da wieder spüre, wie das Gefühl und die Energie damit eben doch nur zerstreut werden im Diffusen des Menschseins. Das dieses unermesslich reine Gefühl einfach nur ist, wie es ist, wenn es einfach nur so sein darf. Dann ist da kein Begehren – nur pures Sein. Nichts das eskaliert oder umgeleitet, das verortet oder verkörpert oder verstanden werden muss. Stille und Friede im ganzen Wesen, im Innen, im Außen.

Ich habe begriffen. Damit kommt das Loslassen. Nein – eben nicht. Es gibt kein Loslassen. Hier ist nichts zu verlieren und nichts zu gewinnen. Es wartet nur das Hineinfallenlassen in diese Tiefe, in diesen Sog – und dann gibt es eine Gegenkraft, die uns herauszieht und etwas damit anstellen will, die etwas erschaffen möchte, das in die Höhe wachsen, so hoch wie tief sein soll. So sollte es sein, ab und zu, im Wechsel, in Balance.

Alles um mich herum gerät plötzlich tiefer und tiefer und ich werde größer und größer, nein: voller und voller. Unfassbar schön, rein, reich, echt, SANFT! Ich sitze vor Kleeblättern, dreiblättrig, und allein das lässt mich sprachlos auf der Wiese zurück. Die innere Einsamkeit verschwindet. Ich fülle mich auf, mit dem, was ich jenseits des Kopfes bin, der allein und nur einsam Kopf sein will. Ganz eins in Gedanken nur. Und erst darin bin ich plötzlich frei für Nähe und Veränderung in der Teilung. Nur wer den Willen zur Veränderung loslässt, kann die Veränderung sein. Einsamkeit rudert an mir vorbei, im Strom der Menschen, im Gegenstrom des Lebens – getrieben von Angst und Perspektivlosigkeit, gelockt von einem vermeintlichen Ufer und Ziel. Immer und immer wieder. Als wären sie einsam in der Suche nach einem Inselparadies zum Anlegen, aber erstmal jedenfalls nicht allein, im großen Meer voller hungriger Haie ihresgleichen. Die da zappeln, sich reiben, beißen – anstatt sich zu umarmen und zu vereinen, in dem, das nichts als stetiger Fluss und Transformation ist, in dem nur Gedanken an Persistenz, an einem Ziel, einem Ding, an wertosen Konzepten, Namen – an erdachten Illusionen also – verhaften können. “Das Leben”, “Der Tod”, “Das Glück”, “Die Freiheit”. “Wert”. Auf gehts! Jagen wir das oder fliehen wir vor dem, was wir uns selbst zur Begierde oder Angst schnitzen und uns vor die eigene Nase hängen .. anstatt einfach ganz zu sein, in dem, das eigentlich nicht sein kann!

Und dann, herrje, stehe ich plötzlich vor einem Menschen, dann zwei, bald drei. Schaue ihnen in die Augen, und erblicke überall das Gleiche. Ich kümmere mich nicht mehr um ihr „Aus(en)sehen“ , nicht um das, was sie sagen, worüber sie urteilen und was sie ver-urteilen. Ich sehe nur, bin still. Und dann … dann ist nichts tiefer in diesem Universum, als der Blick in die Augen eines anderen Menschen. Ein Blick in die bodenlose Tiefe des Ganzen, aus dem heraus wir leuchten und nach dem Licht trachten. Darin sind wir alle gleich: Du, Ich, die Welt. Pures Sein.

Und diese Tiefe verschwindet, wo der Verstand mit hineintauchen will, der doch nur selbst aus ihr erwächst. Der hinab will, um die Tiefe als Untiefe zu ergründen, wo der Mund sich öffnet, um sie zu beschreiben, um dieses Gefühl des Eins-Seins zu spalten, um in die Tiefe hineinzuwachsen, anstatt aus ihr heraus. Das ist gut, aber es sollte ein harmonischer Zug und Sog sein, mal hinein, mal hinaus in die Tiefe. Einatmen – ausatmen.

Es gibt den großen spirituellen Weg und den kleinen. Der große schlängelt sich im Kopf durch ein Labyrint aus Gedanken, soll uns zu seinem vermeintlich „Göttlichen“ führen, in ein Konzept der Freiheit, das uns wieder nur in der Untiefe der Gedanken einsperrt – uns in eine Untiefe führt, in der wir nur ertrinken – in eine Stille, die uns nur einsam macht – in eine Ewigkeit und Endlosigkeit, in der wir uns doch nur verlieren. Hinein in Gedanken, die nur weitere Gedanken über Stille, Glück und Frieden erstreben. Tosende Stille, im Kopf. Der kleine unbequeme Weg führt ins Menschsein, in die Höhe unserer Luftschlösser, die wir da versuchen zu bauen und die oft auch zusammenbrechen und hinab in die Tiefe stürzen – dieser Weg führt hinein ins kleine Ich, in Emotionen, Konflikte und derweil ins große Begehren, doch lieber nur den anderen, den großen Weg zu gehen: Hinaus in das große Selbst. Hin zur Erlösung, zu Gott, zum Ende. Wohin auch immer. Nur weg hier.

Am Ende ist das alles ein Weg: Ein Mittlerer Weg, der, der uns in Harmonie dorthin führt, wo Aufbruch und Ziel zusammenfließen. Er führt uns an Kopf und Kontrolle vorbei – nicht wir führen ihn. Eigentlich ist er Kreis, der nur als Umweg ist, im Gehen entsteht. Das “Ziel” ist in allen Umwegen das Gleiche, die “Quelle”, in Naturwissenschaft, Religion, Esotherik, Spiritualität: Zurück ins reine Sein, Erlösung und Heilung erfahren, entdecken der Unvergänglichkeit – all das nur Probleme, die erst im Umweg durch die Abspaltung entstehen. Egal welchen Weg wir da auch zu gehen meinen. Wir finden nicht, solange wir suchen. Wie und Wo auch immer. Wir sind nicht, solange wir nur wieder sein wollen. Am Ende, eine Kraft …. sie erschafft jedes Konzept – um es dann zu verstehen, kreiert jeden Konflikt – um ihn zu lösen, Angst – um wegzulaufen. Begierde – um hinzulaufen. Und Diese Erkenntnis, erst ein Drama, dann Komödie, erst weinen, dann lachen. Ein Spiel, Maya, Lila, Hide & Seek. Und nicht mal das.

Wir alle haben ein Päckchen zu tragen, wir wollen darin im Menschsein von A nach B, aus dem großen Lebenskonflikt in die Erlösung. Ein Päckchen das wir in Konditionierung auch geerbt haben. Nehmen wir diese Prüfung an, erreichen in ganzer Hingabe doch das Ziel, schließt sich auch auf dem kleinen Weg der Kreis. Und da wir alle Konflikte vererbt bekommen, schließen wir damit auch den Kreis ganzer Generationen, womöglich der ganzen Welt. Als würden wir den Konflikt aller auf uns laden. Schon verrückt. Irgendwie. Aber ich spinne ja gern mal, ihr kennt mich ja.

Es gibt für den Menschen kein spirituelles Erwachen, keinen Himmel, kein Nirvana, wenn wir vor dem Menschsein flüchten. Wir sollen beide Wege annehmen, auch den emotionalen, den schweren – die Prüfung Mensch – die Aufarbeitung von Konflikten, Traumen, was auch immer. Es ist jetzt wie es ist, nicht bald! Und jetzt sind wir eben wie wir sind: Menschen. Jetzt ist das Erwachen, bald ist nur die Begierde. Wir sind nicht frei von Angst, wenn wir Angst davor haben, zu hinterfragen, ob wir nicht doch nur unfrei sein könnten. So eine Angstfreiheit ist nur ein weiteres Konzept des Kopfes. Ist spiritelle Verblendung, Erleuchtung im Keller und Illusion, genau wie das eigene Ego, das nur darin den Dampf seiner eigenen “Wahrheit” und in Gedanken atmet. Der Große Weg ist der Weg des Wissens, dieser aber führt nicht in die Freiheit, er führt ins Nichts, in den Widerspruch, ins Wissen, das sich selbst verschlingen, aber doch nicht herunterschlucken kann. Im Besten Fall endet man kurz vorm Abgrund des Lebens auf einem Thron und belehrt die Menschen. Weisheit jedoch, ist durch Liebe transformiertes Wissen im Herz eines Schülers, das auf dem kleinen Weg ins Ganze mit ihm selbst führt. Ans Ziel kommt kein Schüler ohne Lehrer, kein Lehrer ohne Schüler. Wahrlich weise, im Ganzen mit sich selbst, ist nur ein strebsamer Meister des Wissens, der gleichsam ein demütiger Schüler der Liebe bleibt, solange er hier wandelt. Je mehr er wissen will, umso demütger müsste er werden. Bis er irgendwann nichts als Liebe ist und garnichts mehr für sich wissen muss.

Es ist genug. Tiefer kann ich nicht eintauchen, in die Un-Tiefe dieses Ozeans und die Tiefe nur von Gedanken. Ich habe mir das Wellenschlagen abgewöhnt, das war schwer, sehr schwer. Da sind keine Verwirbelungen mehr im Wasser, in den Gedanken, in den Wogen des Bewusstseins. Da ist klare Sicht. Ich sehe den Grund und Boden – den einzigen Grund und Sinn allen Seins der in uns selbst liegt …. und ich kann den Sinn nicht teilen, weil er in Dir und mir nicht mehr ein bedingungsloses, grundloses, zielloses, ungeteiltes Ganzes sein kann! Wir sind aller Sinn, hier, jetzt jedenfalls. Alles andere – verliert den Sinn in der Unteilbarkeit und ist schon im Nicht-sein so viel mehr, als ein Mensch je verstehen kann. Er kann es nur sein, wenn er es ist – Eins! Wir können so viel Wissen, auch über diese Welt und ihren Kern, aber nichts davon ist zu begreifen, zu sein, denn das Wissen ist tot, ohne ein Herz und Liebe, groß genug, um es (er)leben zu können. Weisheit ist das Er-leben, ist Begreifen, ist das Licht der Welt sein, Strahlen, ist Erleuchtung – und damit Verstehen ohne Glaube und Zweifel, das geteilt werden soll. Auf das keiner mehr in Dunkeltheit wandeln muss. In der Dunkelheit unter der Schädeldecke, wo eine Welt der Finsterniss in Gedanken erstrahlen will. Die Hölle des Gleichen, aber doch nicht des Eins-Sein, nur der Einsamkeit. So verschieden ihr Inhalt, doch sind es immer nur Gedanken, die in Kontrolle nach Transparenz streben, alles durchdringen, jeden Sinn zerstören, wo sie nichts finden als nur weitere Gedanken.

Mein Kampf ist Zuende. “Jakait”, das kommt von Jakob – das war der, der mit Gott rang und ihn als einziger berührte und bezwang, heißt es. Beileibe, das habe ich versucht, ein Irsinn. Jakob fand Demut. Siegte, als er die Waffen streckte und aufhörte, sich selbst zu verletzten. Nur eine Geschichte die ich daraus mache. Man warf mir immer Schwarz-Weiß-Denken vor. Das stimmte. Aber jetzt sehe ich, nein, ich begreife, dass diese Welt in der wir leben wollen, die Hölle des Gleichen ist, eine Welt der Illusionen, die wir aus dem Verstand heraus nicht erkennen wollen. Wir werfen das weg, was wir sind, um zu sein, was wir nie sein können. Weil wir lieber den Sinn suchen, als er zu sein. Nicht alle, aber viel zu viele die wie ich sind. Und ich war schockiert, als ich begriff, was ich hier gelebt habe, 37 Jahre lang … und dass ich es nicht früher begreifen konnte. Ich, die doch früher immer alles zu wissen meinte und doch nichts als Glaube und Zweifel kennen kann – und geworden ist!

“Es gibt keine Fakten, nur Interpretationen” (Nietzsche).

Ich war blind! Es ist Zeit zum Auftauchen! Ich bin dann mal weg … und ich sehe, ich bin nicht ganz allein auf dem Weg aus den konditionierten Untiefen heraus, hinauf in die Tiefen und Höhen des Seins, das einfach so ist, wie es ist. Genug gerudert, ich ziehe die Ruder ein, und lasse mich treiben. In einer Welt, in der ein zartes Karussell im Bauch genauso intensiv ist, wie eine himmelhohe Achterbahnfahrt im spirituellen oder erkenntnissorientierten Ausnahme”zustand”. Auch das ist Eins.

August 26, 2014

Wir sind frei und ganz bei uns selbst, wenn wir aufhören, die selbstlosen Konflikte der anderen in uns fortzutragen. Wenn wir erkennen, dass diese rastlose Stimme in uns, nicht die eigene Stimme ist – und unser Schweigen, nur das hilflose Schweigen der anderen.

August 23, 2014

Ich wurde nominiert …. für die „ALS Ice Bucket Challenge“.

… nun gut, was für eine Überraschung, was für ein Gaudi, Herrje. Also, gegen den Strom, wie immer, auch wenn da Eiswasser fließt:

Nur, eine „Krankheit” wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist mir ehrlich gesagt so ziemlich scheißegal – ist erstmal nur ein verdammt kompliziertes Wort, Futter fürs Hirn. Und Eiswasser kann gar nicht so kalt sein, wie die Herzen der Meisten (sicher nicht aller!), die es sich bei dieser Kampagne über den Kopf schütten. George W. Bush? Ernsthaft?! Ja, der kennt sicher die Namen von Krankheiten und der kennt die Manager der Pharmakonzerne persönlich, die da “forschen”. Forschungsbudget halbiert, Markt verdoppelt. Der MENSCH hinter der Krankheit aber, der ist für Herrn Bush bestenfalls eine Stimme auf dem Wahlzettel, die sich doch bitte noch über wenigstens zwei Legislatureperioden zur Wahlurne und zur Arbeit schleppen soll. Meine Meinung. Aber was weiß ich schon.

Yupp, das steht jetzt hier. Genau so. Wort für Wort.

Ich werde Euch – und das ganz ohne schlechtes Gewissen – enttäuschen müssen. Ich schütte mir trotz Nominierung kein Eiswasser über den Kopf, und werde sogar so ein “Unmensch” sein und bei der Kampagne heute mal nichts spenden. Ich setze mich nur hin für fast eine Stunde und schreibe, mache mir wirklich Gedanken. Sorry, wenn es die falschen sein sollten. Ist halt kein Geld und kein Like-Magnet, was ist das schon wert. Habe nur Gedanken und nicht mal die Figur von Helene Fischer, die sich da den Kübel über den gestählten Leib ergießt.

Ab hier wird ohnehin kaum einer mehr weiterlesen, Spielverderberin eben. Dauert auch zu lange, müsste man sich gegebenenfalls auch noch mit auseinandersetzen … das mit dem Eiswasser ist deutlich schneller abgewickelt. Also was solls. Auf den Scheiterhaufen mit mir! Ich werde schon so eine herzlose A-Soziale-Netzwerkerin sein, die sich sonst nicht engagiert für andere, sich reinhängt darin, die Welt und das Miteinander zu verändern. Und vor allem, werde ich jemand sein, der keinen Spaß versteht. Logo. Frau Jakait findet das nicht lustig, noch setzt sie sich ein für andere – nicht im Netz, nicht auf Facebook, nicht auf Twitter … und dann ja wohl auch nicht im Leben, oder?

….

Früher habe ich bei solchen Aktionen im Impuls doch den Paypal Button gedrückt, mich aber nicht mal um die Menschen gekümmert, die nur 400 Meter vor meinem Haus unter einer Brücke schlafen, die allein in Hospizen nur sieben Straßen weiter an Krankheit und Einsamkeit sterben. Und ganz ehrlich: Ich konnte schon kaum mehr noch echte Freunde „nur einfach“ mal festhalten, wenn sie den Mensch verloren haben, der ihnen am meisten bedeutet hat. Ich war tot, innerlich, aber für den Paypal Button hats noch gereicht. Und das Eiswasser, ja mein Gott, das hätte ich auch noch irgendwie hinbekommen, für 20 hippe Likes auf Facebook, sicher.

Wo ist eigentlich das nächste Hospiz bei Euch, wer weiß das überhaupt noch? Da sterben sie dann, die “Menschen” hinter der Krankheit, auch hinter Amyotropher Lateralsklerose, oder an jeder der tausend anderen Krankheiten auch … und manche sterben nur an zerbrochenen Herzen. Jeder kennt dann zwar dank solcher Kampagnen sicher auch den Namen des Leides, an dem da irgendwann, irgendwo sicher mal jemand gestorben sein wird, aber den Menschen selbst, dieses zerbrechliche Wesen hinter Namen und Diagnosen, dieses atemende, hoffende Ding, das nur Liebe und Frieden sucht, ist am Ende nur ein weiter Name auf dem Todenschein, den wir nie lesen. Ein Mensch, der uns hier, die wir noch halbwegs gesund sind, am Besten bloss nicht im Leichenwagen über den Weg fährt – uns vergegenwärtigt, dass wir selbst bald dran sind. Vergessen, verdrängen – das geht am Besten mit noch mehr Wissen und Gaudi.

Wenn jeder sich um die überschaubare Anzahl an MENSCHEN sorgen würde, die um ihn herum direkte Hilfe benötigen, anstatt sich um mehr Aufmerksamkeit für eine hundertausenfach verbreitete Krankheit und das Leid der ganzen Welt zu kümmern: Wir hätten plötzlich Mitgefühl anstatt Mitleid. Und auch ALS Erkrankte hätten es, denn auch um sie herum leben Menschen wie Du und ich. Für Mitgefühl braucht es einen Menschen gegenüber, mit dem wir mit-fühlen, dazu müssen wir ihn kennen, mögen, lieben, kommunizieren: Krankheiten, ja die kennen wir, die Diagnosen und Symptome sie sind schnell recherchiert. Danke Google! Und mit Schmerz und Hilflosigkeit, da kennen wir uns aus – da leiden WIR dann mit. Aber WIR leiden – nicht der Mensch mit ALS, der eigentlich davon betroffen ist, den wir nichtmal kennen, von dem wir einfach nur irgendwie “wissen”. Wissen. Wieder nur Kopf … ein Herz weiß nicht. Und ein Kopf voller Angst forscht nicht um zu heilen, sondern er forscht am liebsten um noch mehr, noch bessere Ablenkungen vor der eigenen Hilflosigkeit durch Konsum gewährleisten zu können. Und auch Krankheiten, Symptome, Diagnosen und Schicksale tausender Menschen kann man konsumieren. Worum geht es bei der Challenge wirklich: Um ALS erkrankte Menschen, oder darum sich selbst mal kurz in den Eiswasser-Fokus zu stellen, und die Chance zu nutzen, die eigenen Kreativiät mal aufblitzen lassen zu können, die ja sonst keiner mehr erkennen will? Nur so eine Frage, in den Raum geworfen. Wer sie auffängt, selbst schuld. Wir leben im 21. Jahrhundert und haben immer noch nicht begriffen, dass wir mehr sind als das, was ein Kopf aus uns machen kann: Rollenbild, Konzept, Wissen.

Hundertausende Leute, Menschen, Individuen leiden an ALS? – Wieviele davon haben ein Gesicht für uns, Augen aus denen Tränen fließen, Augen, die uns anstarren? Sind ein “DU”? Auf das Leid Hundertausender aufmerksam machen wollen, aber das Leid der eigenen Eltern im Heim verdrängen. So in etwa ticken wir als Gesellschaft.

Egal. Scheiterhaufen. Wer wirft das Streichholz? Bitte nur vorher noch einmal googeln, wie der Junge mit ALS da eigentlich hieß, der die Kamapge ursprünglich initiiert hatte.

Wenn ihr dann krank seid, dürft ihr in einem jedenfalls Trost zu finden: Die ganze Welt kennt den Namen euer Krankheit. Krebs, Depression, Leukemie .. was auch immer. Aber wer kennt euch? Wer fühlt wirklich mit? Das ist nur eine Schublade, in die ihr passt. Obgleich euer Leiden so persönlich ist. ALS ist ein Rollenbild in das wir “Menschen” inzwischen strecken, so wie “Menschen” eben auch nur ein Rollenbild ist, eine Schublade – so wie Kommunisten, Terroristen, Seperatisten, Die Guten, die Schlechten, Wir, Ihr…
Das DU stirbt, die Schublade füllt sich. Schubladen bleiben nur Schubladen, Rollenbilder bleiben Rollenbilder, bis sie irgendwann mal Feindbilder werden. So wie in der NS Zeit, erwischt es dann auch kranke Menschen. Weil Massen in Schubladen nichts kennen als Schubladendenken. Weil es einfach ist, eine Schublade zu töten, wenn man nicht das DU darin erkennen muss. Sorry, da bin ich aber was abgeschiffen eben … Asche auf mein Haupt. Und das wegen so was wie dem bisschen Eiswasser. Relax, Janice, alles gut!

Alles hat ein Ende, auch die Ice Bucket Challenge, dann sind wieder Katzenvideos dran, bis das Leben irgendwann vorbei ist. Glücklich ist, wer vorher noch die nächste Challenge gegen Systemische Sklerodermie, Glioblastoma multiforme oder Episeptische Allergomiezidose mitmachen darf. Und irgendwann, irgendwann macht jemand ne Challenge um mehr Aufmerksamkeit für “Das Leben” selbst zu generieren, auch das endet von allein tödlich.

Entschuligt bitte die Tippfehler und diesen Text als impulshafte Antwort, bin seit 40h wach und im Abenteuer Meer unterwegs und wollte eigentlich lieber ins Bett, als über die Tastatur. Nun ja, so bin ICH. Wenn das nicht ok ist, wenn das krank sein sollte im Denken: Dann organisiert bitte ne Challenge für mich! “Anyway!”, sagte Hemmingway. Das eine ist Schreiben und Denken in Schubladen, das andere ist Handeln.

Und wo ich schon mal bloge: Hier auch der heutige Auftritt bei “3nach9″ im NDR. Gute Nacht. Morgen muss ich wieder fit sein, das übliche Flaschendrehen mit Freunden wartet, mit Menschen, über die ich auch viel weiß, die ihre Probleme haben, aber die ich vor allem gern wieder in den Arm nehme. Und dann verschmilzt das ICH und das Du für einen Moment zu einem Ganzen, das keine Unterschiede kennt.

Ach ja: Hashtag vergessen. Verbindet und rettet sicher Leben! #ALSIceBucketChallenge

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